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HN-St: Standortsuche für Atomendlager



Heilbronner Stimme, 03.12.04

> Standortsuche für Atomendlager

Von Franziska Stavenhagen

Mindestens drei Standorte für ein neues Atomendlager will 
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) prüfen lassen - einen davon 
in Baden-Württemberg. Das hiesige Umweltministerium ist davon nicht 
gerade begeistert.

Nach Angaben von Experten braucht Deutschland bis zum Jahr 2030 ein 
Endlager für rund 24 000 Kubikmeter hochradioaktive und 300 000 
Kubikmeter schwachradioaktive Abfälle. Sie stammen aus Forschungslabors, 
medizinischen Einrichtungen und größtenteils aus der Kernenergie. Um eine 
Gefährdung von Mensch und Natur beim Zerfall des Materials zu verhindern, 
müssen die Abfälle in einem Gebirgsstock in mindestens einem Kilometer 
Tiefe gelagert werden.

Für die Suche nach diesem Ort will Trittin noch in diesem Jahr einen 
Gesetzentwurf vorlegen. "Darin werden Vorschläge zu einem transparenten 
Auswahlverfahren mit breiter Bürgerbeteiligung gemacht sowie zur Frage, 
wer die Kosten trägt", hat der Bundesumweltminister kürzlich angekündigt.

Dabei solle "wie überall in der Abfallwirtschaft das Verursacherprinzip 
gelten". Sprich: Die Kosten für Auswahlverfahren, Bau und Betrieb des 
Endlagers sollen die Betreiber der Atomkraftwerke tragen. Dass nun als 
Standort wieder einmal Baden-Württemberg ins Spiel kommt, stieß im 
Stuttgarter Umweltministerium auf Verwunderung. Denn die Bundesanstalt 
für Geowissenschaften hatte bereits Anfang der 90er Jahre in einem 
Gutachten festgestellt, dass im Südwesten keine geeigneten 
"Gesteinsformationen für Endlagerstandorte" vorhanden sind.

Zum gleichen Ergebnis kam auch der Arbeitskreis Auswahlverfahren 
Endlagerstandort (AkEnd) in seinem Abschlussbericht 2002. Welcher 
Standort im Land also konkret gemeint sein könnte, darüber weiß auch das 
Ministerium nicht Bescheid. Für Umweltminister Stefan Mappus (CDU) ist 
die Sache klar: "Trittin will sich vor einer Entscheidung für den Schacht 
Konrad und für den Salzstock Gorleben drücken." In die Entwicklung dieser 
beiden Endlagerprojekte seien bereits zwei Milliarden Euro investiert 
worden. Zudem sei der Schacht Konrad genehmigt und Gorleben für geeignet 
erklärt worden.

Die Landesgrünen üben sich derweil in Gelassenheit. Wer, wie Bayern und 
Baden-Württemberg, den Ausstieg aus dem Atomausstieg fordere, "braucht 
sich nicht zu wundern, wenn er auch bei der Standortfrage wieder ins 
Gespräch kommt".

Wie problematisch die Standortfrage indessen ist, zeigt auch die Suche 
nach einem Endlager in der Schweiz. Vor wenigen Wochen erst 
demonstrierten in Benken mehrere hundert Atomkraftgegner gegen das dort 
geplante Atommülllager - viele davon kamen aus Deutschland. In 
unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze soll ein Endlager unter einer nur 
rund 125 Meter dünnen Steinschicht entstehen.