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HN-St: Anwalt des Atomexperten fordert die Herausgabe der Protokolle



Heilbronner Stimme, 01.12.04

> Anwalt des Atomexperten fordert die Herausgabe der Protokolle

Von Joachim Kinzinger

Der Anwalt des entlassenen GKN-Anlagenleiters Eberhard Grauf fordert vom 
Stuttgarter Umweltministerium die Herausgabe der Anhörungsprotokolle. Den 
Vorwurf, Grauf habe versucht, sicherheitsverbessernde Maßnahmen 
abzuwehren, weist Rechtsbeistand Uwe Bümmerstede zurück: "Das Gegenteil 
ist der Fall."


Von Joachim Kinzinger

Arbeitsrechtlich ist der Fall abgeschlossen. Der frühere Reaktorchef 
Grauf (57) und der EnBW-Konzern haben sich einvernehmlich getrennt. Die 
jüngsten Schlagzeilen über interne Dokumente, Sicherheitsfragen und -
kriterien, über Zweifel an der Zuverlässigkeit von Grauf im Ministerium 
geben der Sache neue Brisanz. "Mein Mandant hat einen internationalen Ruf 
zu verlieren", begründet Graufs Anwalt Uwe Bümmerstede gegenüber unserer 
Zeitung seine Anfrage im Umweltministerium. Die Behörde soll sich zu den 
Behauptungen äußern, sie habe Grauf schon länger im Visier gehabt und ihn 
als unzuverlässig dargestellt.

Warum wurde Grauf nach der Besprechung der Führungskräfte mit EnBW-Chef 
Utz Claassen am 30. Juni im Neckarwestheimer Kernkraftwerk als Chef des 
zweiten Reaktorblocks gefeuert? "Die Kündigung von Herrn G. wurde allein 
aus Gründen des Verhaltens gegenüber Vorgesetzten und Kollegen 
ausgesprochen", verneint stets der EnBW-Konzern unterschiedliche 
Bewertungen über Sicherheitsfragen.

Wohl sei beim Fachgespräch über Sicherheitsfragen geredet worden, erklärt 
CDU-Umweltminister Stefan Mappus. Es habe aber keine 
Meinungsverschiedenheiten in der zentralen Frage der Bewertung von 
Sicherheitskriterien gegeben. Als Leiter der Anlage habe sich Grauf 
"unangemessen" und in der Sache unzutreffend zur Einführung eines mit 
Indikatoren gestützten Sicherheitsmanagement-Systems und der 
Zusammenlegung der fünf Kernkraftwerke zur Betriebsführungsgesellschaft 
EnKK geäußert. Er habe versucht, "sicherheitsverbessernde Maßnahmen 
abzuwehren", kritisierte ein Bundesumweltministeriums-Sprecher den 
Atomexperten.

Das habe er nicht getan, entgegnet Rechtsanwalt Bümmerstede. Nach seiner 
Ansicht wird der Sachverhalt verdreht. Grauf habe sich nicht gegen 
Sicherheitspakete zur Wehr gesetzt. Bis 12. Dezember fordert Graufs 
Rechtsbeistand die Anhörungsprotokolle aller EnBW-Verantwortlichen nach 
den Befragungen im Umweltministerium an. Dann werde geprüft, ob weitere 
rechtliche Schritte eingeleitet werden. Schließlich werde der Ruf seines 
Mandanten beschädigt.

Eberhard Grauf, der noch bis zum Jahresende der 
Reaktorsicherheitskommission des Bundes angehört, hat sich selbstständig 
gemacht und in Talheim ein Ingenieurbüro für Reaktortechnik eröffnet.