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HN-St: Trittin stützt Mappus indirekt im Atomstreit



Heilbronner Stimme, 30.11.04

> Trittin stützt Mappus indirekt im Atomstreit

Von Roland Muschel
I
n der Auseinandersetzung um die Entlassung des Reaktorchefs des 
Kernkraftwerks Neckarwestheim II hat jetzt erstmals das 
Bundesumweltministerium klar Stellung bezogen: Auch Berlin sieht keinen 
Anlass, den umstrittenen Rauswurf zu beanstanden.


Von Edgar Herterich

Kraftwerk in Neckarwestheim: Die Entlassung des Reaktorchefs Eberhard 
Grauf beschäftigt seit Monaten die Politik. (Foto: Dittmar Dirks)

War Eberhard Grauf als Reaktorchef des Kernkraftwerks Neckarwestheim II 
gefeuert worden, weil er unbotmäßige Kritik am Sicherheitskurs der 
Energie Baden-Württemberg (EnBW) geübt hatte? Seit sich der 
Kraftwerksbetreiber im Sommer überraschend von Grauf getrennt hatte, war 
dieser Verdacht immer wieder aufgetaucht. Sogar das Stuttgarter 
Umweltministerium unter Stefan Mappus (CDU) hatte sich veranlasst 
gesehen, in der Sache eine Befragung durchzuführen.

Auf Wunsch von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und in 
Anwesenheit zweier Vertreter seines Hauses war es Anfang November zu 
einer zweiten Befragung gekommen. Anschließend teilte Mappus' Ministerium 
mit, dass sich "keine Anhaltspunkte" dafür ergeben hätten, "dass der 
Entlassung Meinungsverschiedenheiten" zwischen EnBW und Grauf über "die 
Bedeutung von Fragen des sicheren Betriebs von Kernkraftwerken" zu Grunde 
lagen.

Gestern hat nun auch Trittins Ministerium Stellung bezogen - und dem CDU-
geführten Landesministerium nicht widersprochen. Man habe bei der 
Befragung Anfang November den Eindruck gewonnen, dass der Ex-Reaktorchef 
Grauf versucht habe, "sicherheitsverbessernde Maßnahmen abzuwehren", 
sagte ein Sprecher. Das spricht gegen den Entlassenen - und verträgt sich 
nur schwer mit dessen Mitgliedschaft in der Reaktorsicherheitskommission, 
die Trittin in wichtigen Atomfragen berät. Doch zum Jahresende, so der 
Sprecher Trittins, laufe Graufs Mitgliedschaft in der Kommission ohnehin 
aus. Noch vor kurzem hatte sich das Bundesumweltministerium gegen das 
Ansinnen der EnBW, seinen Ex-Mitarbeiter aus dem Gremium abzuberufen, 
gewehrt.

Das Stuttgarter Umweltministerium hatte den gefeuerten Reaktorchef 
offenbar schon länger im Visier. Dessen Verhalten in den letzten Monaten 
vor seiner Entlassung habe "Anlass dafür gegeben, behördenintern zu 
prüfen, ob aufsichtliche Maßnahmen oder gar Sanktionen" geboten seien, 
teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Dazu sei es aber nicht gekommen, 
weil Grauf "unmittelbar danach aus anderen Gründen entlassen wurde".

Da der Ex-Kraftwerksmanager laut einem Zeitungsbericht kurz vor seinem 
Rauswurf massive Kritik an der Sicherheitspolitik der EnBW geübt haben 
soll, hatte es gestern erneut Spekulationen über die tatsächlichen oder 
vermeintlichen Entlassungsgründe gegeben. Die Kritik der Opposition 
entzündete sich dabei an Umweltminister Mappus. Er habe die 
Öffentlichkeit "hinters Licht geführt, getäuscht und belogen", behauptete 
SPD-Fraktionschef Wolfgang Drexler. Etwas zurückhaltender formulierte 
Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann: "Es drängt sich der Eindruck 
auf, dass der neue Umweltminister ein Problem mit der Wahrheit hat."

Hintergrund der Vorwürfe: Offenbar gab es zwischen der EnBW und Grauf 
massive Meinungsverschiedenheiten - besonders just wenige Tage vor seiner 
Entlassung. Dies geht aus internen Protokollen der Befragung vom 4. und 
5. November hervor, aus denen die "Stuttgarter Zeitung" zitiert. Danach 
soll Grauf am 30. Juni im Beisein von EnBW-Chef Utz Claassen das neue 
Sicherheitsmanagement massiv kritisiert habe. Unterm Strich werde die 
Situation "eher schlechter als besser".

Die Landtagsgrünen haben deshalb gestern eine Initiative im Landtag 
eingebracht, um "Licht in diese mehr als dubiosen Vorgänge in der 
Aufsichtsbehörde zu bringen". Mappus selbst sagte, sein Haus habe nie 
bestritten, dass es bei dem Treffen am 30. Juni auch um Sicherheitsfragen 
gegangen sei. Doch deshalb sei Grauf nicht entlassen worden, das hätten 
die Befragungen ergeben. Er kann sich durch Trittins Ministerium 
bestätigt fühlen.