HN-St: Kommentar: Beruhigend
Heilbronner Stimme, 30.11.04
> Kommentar: Beruhigend
Von Roland Muschel
Seit Wochen tobt ein unerquicklicher Streit um die Umstände der
Entlassung des ehemaligen Kernkraftwerksleiters von Neckarwestheim II,
Eberhard Grauf. Unerquicklich, weil die Gründe für den Rauswurf trotz
zweier Befragungen durch Aufsichtsbehörden uneinsichtig blieben. Und das
in einem für die Bevölkerung überaus sensiblen Bereich: der Sicherheit
von Atomkraftwerken.
Nun scheint sich der Nebel endlich zu lichten. Wie schon zuvor das von
Stefan Mappus (CDU) geführte Stuttgarter Umweltministerium kommt auch das
von Jürgen Trittin (Grüne) geleitete Bundesumweltministerium in Berlin
nach einer umfangreichen Anhörung zu der Auffassung, dass die Entlassung
nicht zu bestanden ist. Soll heißen: Der Verdacht, der Ex-
Kraftwerksleiter habe unbotmäßige Kritik am neuen Sicherheitskonzept der
EnBW geübt und sei deshalb gefeuert worden, hat sich offenbar nicht
bestätigt. Das ist beruhigend.
Dass sich die EnBW in dieser Angelegenheit kritische Fragen gefallen
lassen muss, hat sich der Konzern aber selbst zuzuschreiben: Zu Beginn
hatte man schlicht bestritten, dass es überhaupt
Meinungsverschiedenheiten mit dem gefeuerten Kraftwerksmanager Grauf über
den sicheren Anlagenbetrieb gegeben habe. Und im Streit mit dem baden-
württembergischen Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) um die neue
Sicherheitsstrategie hat der Konzern auch nicht unbedingt zur
Versachlichung der Diskussion beigetragen.