PZ: Nuklearer Rückbau als Aufgabe
Pforzheimer Zeitung, 26.11.04
> Nuklearer Rückbau als Aufgabe
> Sina Industrieservice sieht sich in Pforzheim unter dem Dach des
schwedischen Studsvik-Konzerns gut aufgestellt
PFORZHEIM. Viele reden vom Ausstieg aus der Kernenergie - die Pforzheimer
Firma Sina Industrieservice, die zum schwedischen Studsvik-Konzern
gehört, hat sich auf den Rückbau von Kraftwerken spezialisiert. In einem
dreitägigen Symposium im Pforzheimer Parkhotel beschäftigen sich über 100
Experten aus dem In- und Ausland mit aktuellen Rückbau-Projekten und dem
Strahlenschutz.
"Der Erfahrungsaustausch steht im Mittelpunkt", erläutert Kjell
Westerberg, der bei Studsvik für diesen Geschäftsbereich verantwortlich
ist. Seit 1998 gehört die Pforzheimer Sina zur schwedischen Studsvik-
Gruppe.
Die Teilnehmer kommen aus Forschungseinrichtungen, Kraftwerken und dem
Nuklearservice, wie Sina-Geschäftsführer Ulf Kannengießer der PZ
erläuterte.
Gerd Lang von der RWE Power AG schilderte beispielsweise den Rückbau des
Kraftwerks Mülheim-Kärlich, Uwe Sprenger (Sina) erläuterte
Geländesanierung und Probenahmeverfahren und Jens Bresemann den Rückbau
im Kernkraftwerk Würgassen. Moderne Dekontaminationstechniken wurden bei
einem Vor-Ort-Termin auf dem Firmenareal in Stutensee-Blankenloch
vorgestellt. Mit der Übernahme der Blankenlocher IFM-Gruppe hat Sina im
Vorjahr die Kompetenz im Rückbau kerntechnischer Anlagen weiter
ausgebaut. Über 700 Mitarbeiter werden von Pforzheim aus eingesetzt.
Die IFM-Gruppe, 1983 von Harald Fritz gegründet, gilt mit 220
Mitarbeitern als vielseitiges Dienstleistungsunternehmen mit Schwerpunkt
Ingenieur- und Fertigungstechnik. Zuvor beschäftigte die Pforzheimer Sina
500 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 30 Millionen Euro und zählt
nach eigenen Angaben zu den großen Gewerbesteuerzahlern in Pforzheim. Mit
jetzt 720 Beschäftigten will man nach früheren Angaben den Gesamtumsatz
von 45 Millionen weiter steigern.
Als eigenständig agierende Tochter der börsennotierten schwedischen
Studsvik-Gruppe ist Sina international in den Bereichen Strahlenschutz,
Dekontamination, nukleare Demontage, Abfallwirtschaft, Entsorgung und
Chemie-Service tätig. Geschäftsführer Ulf Kannengießer spricht von guten
Beschäftigungsperspektiven in der Nuklearbranche. Allein der Rückbau der
deutschen Kernkraftwerke biete auf Jahrzehnte hinaus ein stattliches
Auftragsvolumen.
"Wir sind schon jetzt als Servicepartner in jeder deutschen
kerntechnischen Einrichtung tätig." Auf Grund der hohen
Sicherheitsvorkehrungen bezeichnet Kjell Westerberg den Job im
Kernkraftwerk als weitaus sicherer als eine Tätigkeit in einem
konventionellen Kohlekraftwerk.
Benötigt würden auf Jahre hinaus Ingenieure in den Bereichen Physik,
Chemie, Maschinentechnik und Strahlenschutz sowie handwerkliche Berufe.