StN: Atom-Streit eskaliert: EnBW droht Minister mit Rechtsmitteln
Stuttgarter Nachrichten, 06.11.04
> Atom-Streit eskaliert: EnBW droht Minister mit Rechtsmitteln
Konzern will Pfister bei "unwahren Behauptungen" auf Unterlassung und
Schadenersatz verklagen
Karlsruhe/Stuttgart - Die EnBW legt im Streit mit Wirtschaftsminister
Ernst Pfister (FDP) nach: Der Energiekonzern droht dem Minister nun sogar
mit einer Unterlassungsklage und mit Schadenersatzansprüchen.
VON TORSTEN SCHÖLL
Fast schien es schon, als ob die Auseinandersetzung zwischen EnBW-Chef
Utz Claassen und Wirtschaftsminister Pfister beigelegt war. Auf
Arbeitsebene wollte man sich Mitte November zum Gespräch zusammenfinden,
um den Streit beizulegen. Der war schon vor Wochen ausgebrochen, nachdem
Pfister Konzernchef Claassen für die Ankündigung gerügt hatte, künftig
eine Null-Toleranz-Politik zu praktizieren.
Doch nun scheint die Auseinandersetzung endgültig zu eskalieren: Einmalig
dürfte in der Tat sein, dass ein Großunternehmen den
Landeswirtschaftsminister auf Grund einer Äußerung vor Pressevertretern
mit Unterlassungsklage und Schadenersatz droht. Wie die EnBW am
Freitagabend mitteilte, sei Pfister ein entsprechendes Schreiben
zugestellt worden. Darin fordert Konzernvorstand Bernhard Beck den
Minister auf, "in Zukunft unwahre Behauptungen über die EnBW und ihren
Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Utz Claassen zu unterlassen". Andernfalls
wolle die EnBW von den Rechtsmitteln Gebrauch machen.
Beck bezieht sich mit seiner Drohung auf eine Äußerung Pfisters von Mitte
der Woche. In Bezug auf die Behauptung der EnBW, Bundesumweltminister
Jürgen Trittin (Grüne) stütze den neuen Betriebsführungsstil des
Konzerns, hatte Pfister gesagt: "Da ist einfach nicht die Wahrheit gesagt
worden." Das Bundesumweltministerium bestätigte am Freitag noch einmal
gegenüber unserer Zeitung, dass sich Trittin tatsächlich diesbezüglich
lobend gegenüber der EnBW geäußert hatte.
Die Drohung einer Unterlassungsklage gegen Pfister erstreckt sich
außerdem auf die genehmigungsrechtliche Aussage, wonach die Null-Toleranz-
Politik des Konzerns nachträglichen Auflagen der Betriebsführung
widerspreche. Bei weiteren unberechtigten Vorwürfen werde die EnBW "den
Rechtsweg beschreiten", heißt es dazu.
Pfister erklärte am Freitagabend, es sei nicht seine Absicht gewesen,
Claassen der Unwahrheit zu bezichtigen. Pfister sagte: "Es wäre fatal,
wenn weiter vor allem um Begrifflichkeiten gestritten würde." In der
Sache verteidigte der Minister seinen Standpunkt gegenüber der EnBW.