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PZ: Atomkraft: Oettinger für längere Laufzeiten



Pforzheimer Zeitung, 10.11.04

> Atomkraft: Oettinger für längere Laufzeiten
	
STUTTGART. Durch längere Laufzeiten der Atomkraftwerke in Baden-
Württemberg will CDU-Fraktionschef Günther Oettinger den Ausbau 
erneuerbarer Energiequellen finanzieren. "Wir glauben, dass die 
Kernenergie ein Übergangsenergie ist. Das Ausstiegsszenario der rot-
grünen Bundesregierung ist aber nicht klug", sagte Oettinger, der auch 
Bezirksvorsitzender der CDU Nordwürttemberg ist, gestern Stuttgart. Der 
Bezirksverband will am Samstag bei einem Parteitag in Leonberg 
energiepolitische Leitsätze beschließen. Im Entwurf wird darauf 
verwiesen, dass im Südwesten 60 Prozent des Strombedarfs aus der 
Atomenergie gedeckt wird. Oettinger betonte, er wolle die Unabhängigkeit 
der Energieversorgung im Land erhalten.

Die Nachfolge von Ministerpräsident und CDU-Landeschef Erwin Teufel steht 
bei dem Bezirksparteitag nicht auf der Tagesordnung und soll nach 
Oettingers Worten auch nicht thematisiert werden. Er verwies auf die 
Mitgliederbefragung, die darüber entscheiden soll, und die geplanten 
sechs Regionalkonferenzen. Dort werden er und Kultusministerin Annette 
Schavan (CDU) als Bewerber für die TeufelNachfolge den CDU-Mitgliedern 
Rede und Antwort stehen.

Zur Energiepolitik führte Oettinger aus, er könne sich für die beiden 
großen Atomkraftwerke Neckarwestheim und Phillipsburg eine Verlängerung 
der Laufzeit vorstellen von "fünf und gegebenenfalls nochmal fünf 
Jahren." Der älteste kommerziell betriebene deutsche Reaktor in Obrigheim 
solle aber wie geplant vom Netz gehen. Durch den Weiterbetrieb könnten 
die Betreiber einen hohen dreistelligen Millionenbetrag als Gewinn 
erzielen. Davon müsse die Hälfte für die weitere Entwicklung und den 
stärkeren Einsatz regenerativer Energiequellen verwendet werden.

Massive Kritik erntete Oettinger von der SPD. Fraktionschef Wolfgang 
Drexler nannte den Vorschlag längerer Laufzeiten angesichts der jüngsten 
Pannen in baden-württembergischen Reaktoren "gemeingefährlich".

Auf Teufel-Kurs bei Windkraft

Große Chancen sieht Oettinger für die Nutzung der Erdwärme. Aber auch die 
Biomasse vor allem im ländlichen Raum, die Solarenergie und die 
Wasserkraft böten noch erhebliche Potenziale. Alles zusammen reiche aber 
nicht für eine schnelle Ablösung für die Atomkraft, zumal der Strombedarf 
in Folge der weiter leicht wachsenden Bevölkerung Baden-Württembergs 
zunehmen werde. Bei der Windenergie sei noch ein leichter Zuwachs 
möglich. Oettinger will aber nicht vom restriktiven Kurs Teufels bei der 
Windkraft abweichen. lsw