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Hn-St: An die Gleise gekettet: Geldbuße



Heilbronner Stimme, 11.11.04

> An die Gleise gekettet: Geldbuße

Von Franziska Feinäugle

Nach dem Tod eines Castor-Gegners in Frankreich hätte der Heilbronner 
Prozess eine ganz neue Brisanz gehabt. Das Verfahren gegen die zwei 
Studenten, die sich im November 2003 bei Neudenau an die Gleise gekettet 
hatten, um einen Castor-Zug zu stoppen, wurde jetzt vorläufig 
eingestellt.


Von Christine Weller

10. November 2003 an den Gleisen bei Neudenau: Der Atomzug muss halten, 
der Bundesgrenzschutz zwei angekettete junge Männer freischneiden.

Als "wohl überlegte Handlung mangels anderer Möglichkeiten", auf ihr 
Anliegen aufmerksam zu machen, hatten die 20- und 29-jährigen Angeklagten 
beim Prozessauftakt im September die Aktion bezeichnet, die ihnen eine 
Anklage wegen Nötigung einbrachte. Laut Strafgesetzbuch steht darauf 
Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft.

Nachdem nun am Sonntag in Frankreich ein 21-jähriger Umweltschützer von 
einem Atomzug überrollt und getötet worden ist, drängt sich die Frage 
auf: Hätte nicht genau das schlimmstenfalls auch in jener Novembernacht 
vor einem Jahr bei Neudenau passieren können?

In einem unter den Gleisen durchgeschobenen Rohr hatten sich die beiden 
Männer aus dem Raum Heidelberg - der eine Zivildienstleistender, der 
andere Student im 19. Semester - so angekettet, dass sie sich nicht mehr 
selbst hätten befreien können. Das jedenfalls war der Zustand, in dem sie 
gefunden wurden, nachdem der Zug rechtzeitig hatte halten können. 
Einsatzkräfte mussten die Aktivisten freischneiden. Drei Stunden lang 
ging auf der Strecke im Jagsttal nichts mehr. Unentrinnbar, war im 
Gerichtsflur zu erfahren gewesen, schlössen sich Demonstranten immer erst 
fest, wenn gewährleistet sei, dass der Zug wirklich hält.

Der Tod des Franzosen war maßgeblich dafür, dass das Heilbronner 
Verfahren gegen Zahlung von Geldbußen in Höhe je eines Netto-
Monatsgehalts vorläufig eingestellt wurde. Laut Richterin Claudia 
Oestreich geht das Gericht "davon aus, dass der Tod des französischen 
Aktivisten sie zur Besinnung bringt und ihnen und anderen zeigt, wie 
gefährlich das ist". Der 29-Jährige soll 750 Euro, der Jüngere 270 Euro 
zahlen, dann wird vollends eingestellt.