HN-St: Kommentar: Verschwendung
Heilbronner Stimme, 11.04.04
> Kommentar: Verschwendung
Ganz abgesehen davon, dass es eine lebensgefährliche Dummheit ist, sich
an Bahngleise zu ketten: Beim aktuellen Heilbronner Castor-Verfahren
drängt sich die Frage auf, wie viel Zeit und wie viele Steuergelder im
Namen des Rechthabens eigentlich verschwendet werden dürfen. Auf der
einen Seite die Blockierer, die sich im Fall einer Anklage stets als
politisch Verfolgte wähnen, Aktionen wie die Neudenauer unter ihrem
Demonstrationsrecht verbuchen und auch Gerichtsprozesse keineswegs als
Lehre sehen, sondern als willkommene Form, Aufmerksamkeit zu erregen. Auf
der anderen Seite die Justiz, die solche politischen Prozesse bis ins
Letzte durchzufechten versucht, auch wenn das Ergebnis in keinem
Verhältnis zum Aufwand steht.
Angesichts mehrerer unnütz verstrichener Verhandlungstage könnte man die
vorläufige Einstellung des Verfahrens als das berühmte "Ende mit
Schrecken" betrachten. Die zusammengerechnet 1698 Minuten Verspätung, die
die Blockade-Aktion allein im Schienenverkehr nach sich gezogen hat, sind
gewiss schon genug verschwendete Zeit - da brauchen nicht auch noch
überlastete Gerichte Zeit verplempern.
Das Ergebnis aber ist doppelt unbefriedigend: Da hätte man das Verfahren
ja gleich zu Beginn einstellen können. Und: Nach dem Empfinden streng
beäugter Straßenverkehrsteilnehmer sind die Blockierer zu glimpflich
davongekommen.