SWR: Stuttgart - Vorsorgliche Verteilung von Jodtabletten
SWR BaWü, 13.11.04
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> Vorsorgliche Verteilung von Jodtabletten
Bürger in Baden-Württemberg, die näher als zehn Kilometer zu einem
Atomreaktor wohnen, können sich erstmals hochdosierte
Kaliumiodidtabletten kostenlos in der Apotheke abholen. Die Tabletten
bilden zwar keinen Schutzschild vor atomarer Strahlung, mindern im Fall
eines Reaktorunfalls jedoch das Krebsrisiko.
Schilddrüsenuntersuchung (Quelle: dpa)
Schilddrüsenuntersuchung
Kaliumiodidtabletten in geringerer Dosierung werden schon seit drei
Jahrzehnten rund um die baden-württembergischen und bei den grenznahen
Reaktoren von Seiten der Behörden gelagert. Nun haben die Bürger zum
ersten Mal die Möglichkeit, die neuen Tabletten mit nach Hause zu nehmen.
Jeder Haushalt erhält ein Päckchen mit 20 der hochdosierten
Kaliumiodidtabletten.
Die jeweiligen Amtsblätter machen in diesen Tagen auf die Aktion
aufmerksam. Insgesamt werden in ganz Baden-Württemberg 30 Millionen
Tabletten verteilt oder eingelagert. So zum Beispiel in Waghäusel und
Oberhausen-Rheinhausen (beide Kreis Karlsruhe) bei Phillipsburg, in
Gemmrigheim (Kreis Ludwigsburg) bei Neckarwestheim, in Mosbach (Neckar-
Odenwald-Kreis) bei Obrigheim oder im südbadischen Hardheim (Neckar-
Odenwald-Kreis), das fünf Kilometer vom elsässischen Atomkraftwerk
Fessenheim entfernt liegt.
Tabletten nur Schutz für Menschen unter 45 Jahren
Für diejenigen Menschen, die in einem Radius von zehn bis 25 Kilometern
zu einem Reaktor wohnen, werden die Pillen auch weiterhin in örtlichen
Lagern aufbewahrt, etwa in Rathäusern und Schulen. Für all jene, die
weiter als 25 Kilometern von den Atomkraftwerken entfernt leben, liegen
die Tabletten in einem großen zentralen Lager in der Nähe von Karlsruhe
bereit.
Menschen, die älter als 45 Jahre alt sind, raten Ärzte und Apotheker
allerdings von den Schilddrüsenblockern ab. In diesen Fällen sei das
Risiko von Nebenwirkungen höher als der Schutz vor dem möglichen
Schilddrüsenkrebs. Generell gilt: Eingenommen werden dürfen die
Schilddrüsenblocker überhaupt nur dann, wenn über Rundfunk und Fernsehen
dazu aufgerufen wird.