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StN: Verwirrung um Atomendlager im Südwesten



Stuttgarter Nachrichten, 16.11.04

> Verwirrung um Atomendlager im Südwesten
> Umweltminister Trittin will Gesetzentwurf noch in diesem Jahr vorlegen
 
Stuttgart/Berlin - Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) will noch 
in diesem Jahr einen Gesetzentwurf für ein geregeltes Verfahren zur 
Auswahl eines Atomendlagerstandorts vorlegen. Für Aufregung sorgt 
unterdessen im Land, dass der Minister in diesem Zusammenhang auch den 
Südwesten wieder ins Spiel bringt.

VON TORSTEN SCHÖLL

"Ein solches Auswahlverfahren wird auch bei Parteifreunden in Bayern und 
Baden-Württemberg nicht nur Freude auslösen", hatte Trittin am Samstag 
auf dem Landesparteitag der niedersächsischen Grünen reichlich kryptisch 
angekündigt. Was in Niedersachsen auf breite Zustimmung stoßen dürfte, 
löste im Südwesten aber vor allem eines aus: Verwunderung. Denn Baden-
Württemberg - konkret: der Schwarzwald - gilt, seitdem dort Mitte der 
90er Jahre umfangreiche Untersuchungen durchgeführt wurden, als nicht 
eben geeigneter Standort für hochradioaktive Abfälle. Verschiedene 
Institutionen und Behörden, darunter die Bundesanstalt für 
Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, waren damals zu dem Schluss 
gekommen, dass das Granitgebirge auf Grund der Erdbebengefahr am 
Oberrheingraben nicht in Frage kommt. Selbst der Arbeitskreis 
"Auswahlverfahren Endlagerstandort" (AkEnd) lehnte 2002 in seinem 
Abschlussbericht den Schwarzwald als Deponie für Atommüll ab.

Wozu also Trittins neuerlicher Vorstoß? Im baden-württembergischen 
Umweltministerium kann man sich keinen Reim darauf machen: "Wir gingen 
bislang davon aus, dass Baden-Württemberg nicht geeignet ist", sagte ein 
Sprecher von Umweltminister Stefan Mappus (CDU) am Montag. Welche 
Standorte der Bundesminister konkret gemeint haben könnte? In Stuttgart 
liegen darüber keine Informationen vor.

Genaues wissen auch die ansonsten gut informierten Kreise innerhalb der 
Landesgrünen nicht. "Welche Standorte in Deutschland auf ihre 
Tauglichkeit hin tatsächlich irgendwann untersucht werden, wird 
vermutlich nicht vor der nächsten Bundestagswahl bekannt gegeben", 
mutmaßt man dort. Sicher sei man sich indes, dass die Diskussion um den 
Ausstieg vom Atomausstieg, die von den Regierungen in Bayern und Baden-
Württemberg forciert werde, auf die Standortfrage nicht ohne Auswirkungen 
bleiben wird. "Wer Verlängerungen von Laufzeiten für Atomkraftwerke 
fordert, braucht sich nicht wundern, wenn er anschließend ins Gespräch 
kommt", heißt es aus Reihen der Südwest-Grünen.

Trittin selbst kündigte unterdessen in einem Schreiben an den 
Vorsitzenden der Grünen-Landtagsfraktion, Winfried Kretschmann, an, dass 
"die weit reichenden Vorschläge des AkEnd noch in diesem Jahr in einen 
Gesetzentwurf münden, mit dem das Bundesumweltministerium seine 
Vorstellungen für ein geregeltes Auswahlverfahren vorstellt". Trittin 
erklärte, dass der bestmögliche Standort allein auf Grund des 
Auswahlverfahrens ermittelt werde. Das Endlager soll im Jahr 2030 
betriebsbereit sein.
 
Aktualisiert: 16.11.2004, 06:15 Uhr