SWP: ENBW lässt Köpfe rollen
Südwestpresse, 18.09.04
> ATOMPANNE / Technischer Leiter von Neckarwestheim abberufen
> ENBW lässt Köpfe rollen
Die ENBW zieht Konsequenzen aus der jüngsten Panne im Atommeiler
Neckarwestheim. Wer seiner Verantwortung nicht gerecht werde, müsse
gehen, heißt es.
Nach der Panne im Atomkraftwerk Neckarwestheim hat die Energie Baden-
Württemberg (ENBW) AG Werner Zaiss, den technischen Geschäftsführer des
Atomkraftwerks, abberufen. ENBW-Sprecher Dirk Ommeln sagte gestern in
Karlsruhe, alle erforderlichen Beschlüsse seien eingeleitet. Der
technische Geschäftsführer könne allerdings nicht mit sofortiger Wirkung
entlassen werden, weil die Gesellschafterversammlung darüber entscheiden
müsse. Konzernchef Utz Claassen kündigte eine "kompromisslose Null-
Fehler/Null-Toleranz-Politik" an: "Wir werden uns von jedem
Verantwortlichen trennen, der bei den Abläufen und im
Kommunikationsverhalten seiner Verantwortung nicht gerecht wird." Zaiss
werde sowohl für die Fehler in den technischen Abläufen wie auch für den
schlechten Informationsfluss verantwortlich gemacht. Bei der Panne am 27.
Juli war radioaktiv belastetes Wasser aus dem Kernkraftwerk in den Neckar
geflossen. Der Zwischenfall wurde erst am 18. August entdeckt, als der
Reaktor nach der Revision wieder angefahren wurde. Weitere neun Tage
später stufte die ENBW ihn als meldepflichtig ein und informierte das
Landesumweltministerium. Wegen der späten Information der Öffentlichkeit
geriet Umweltminister Stefan Mappus (CDU) in die Kritik. Als Konsequenz
aus den Vorgängen ließ er ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen
Verantwortliche der ENBW einleiten. Gegen welche Person oder Personen es
sich richten soll, wird nach Ministeriumsangaben noch ermittelt. Das
radioaktives Wasser habe nicht nur den Neckar verschmutzt,
sondern sei auch in ölhaltige Abfälle in der Maschinenhausentwässerung
des Kraftwerks gelangt, teilte die ENBW gestern mit. Das hätten weitere
Untersuchungen ergeben. Diese Abfälle waren dem Konzern zufolge bereits
mit einem Lastwagen zur Entsorgung abtransportiert worden. Nachdem die
Belastung bei einer Messung entdeckt wurde, habe man die Entsorgung
gestoppt, hieß es weiter. Eine Gefahr für Mensch und Umwelt habe nicht
bestanden. Das Umweltministerium hat als zuständige Atom-Aufsichtsbehörde
einen Bericht für das Bundesumweltministerium zusammengestellt und nach
Berlin geschickt. lsw