AP: Mappus begrüßt personelle Konsequenzen in Neckarwestheim
AP, 17.09.04
> Mappus begrüßt personelle Konsequenzen in Neckarwestheim
Karlsruhe (AP) Das baden-württembergische Umweltministerium hat am
Freitag die personellen Konsequenzen die Energie Baden-Württemberg (EnBW)
aus der jüngsten Panne im Atomkraftwerk Neckarwestheim begrüßt.
Landesumweltminister Stefan Mappus sagte, er hoffe, dass nunmehr der von
der Aufsichtsbehörde erwartete «Ruck» durch das gesamte Unternehmen gehen
werde.
«Es wird nie und für niemanden einen Sicherheitsrabatt beim Betrieb von
Kernkraftanlagen geben», erklärte der CDU-Politiker. Zuvor hatte die EnBW
mitgeteilt, dass der technische Geschäftsführer des
Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN) abgelöst werde. Grund hierfür
seien verschiedene Vorkommnisse im GKN in den letzten Wochen.
EnBW-Vorstandschef Utz Claassen sagte: «Ab sofort werden wir nicht nur -
wie bisher - das Ziel größtmöglicher Sicherheit in unseren
Kernkraftwerken verfolgen, sondern zudem eine kompromisslose Null-
Fehler/Null-Toleranz-Politik betreiben.» Das Unternehmen werde sich von
jedem Verantwortlichen trennen, der bei den Abläufen und im
Kommunikationsverhalten seiner Verantwortung nicht gerecht werde. Er
teile die Auffassung von Landesumweltminister Mappus, dass Vertrauen in
die Kernkraft «der stringenten Aufsicht und Kontrolle bedarf». Dieser
Grundsatz müsse auch unternehmensintern gelten.
Mappus sagte, insofern seien die Aktivitäten der EnBW-Spitze folgerichtig
und als sehr positiv zu bewerten. Wegen des jüngsten Störfalls im
Atomkraftwerk Neckarwestheim hatte das Landesumweltministerium gegen die
Verantwortlichen der EnBW ein Ordnungswidrigkeitsverfahren angekündigt.
Ende Juli war bei der Jahresrevision in Block II des Kraftwerks schwach
radioaktiv verseuchtes Wasser in den Neckar gelangt. Den Verantwortlichen
der EnBW droht eine Geldbuße bis zu 50.000 Euro.
Unterdessen wurde ein weiterer Zwischenfall in Neckarwestheim bekannt.
Wegen der vom Ministerium veranlassten Maßnahmen zur umfassenden
Aufklärung des Ereignisses habe der Betreiber nun festgestellt, dass am
13. August von einer Entsorgungsfirma flüssige Abfälle vom Anlagengelände
abtransportiert wurden. Hierüber hat die EnBW das Umwelt- und
Verkehrsministerium am Donnerstag unterrichtet.
Nach Mitteilung der EnBW waren diese flüssigen Abfälle, die aus den
Maschinenhaussümpfen des GKN II stammen, geringfügig radioaktiv
verunreinigt. Diese Abfälle wurden auf Veranlassung des Umwelt- und
Verkehrsministeriums bei der Entsorgungsfirma sicher gestellt.