dpa: Berlin zweifelt am AKW-Schutzkonzept
DPA, 03.03.04
> Berlin zweifelt am AKW-Schutzkonzept
KARLSRUHE/STUTTGART.
Die Kritik des Bundesumweltministeriums an den Plänen der Atomindustrie
zum Schutz von Kernkraftwerken vor Terroranschlägen hat in Baden-
Württemberg für Unmut gesorgt. "Die von der Behörde getroffene negative
Einschätzung unseres Konzepts ist nicht nachvollziehbar", sagte gestern
eine Sprecherin des Energiekonzerns EnBW auf Anfrage. Auch das
Umweltministerium in Stuttgart zeigte sich überrascht: "Das
Bundesumweltministerium hat die bisherige Linie verlassen."
Das Umweltministerium in Berlin hatte sich am Montag kritisch zu den
Plänen geäußert, Atomkraftwerke durch künstlichen Nebel vor
terroristischen Flugzeugabstützen zu schützen. Dieses Konzept sei "in
seiner derzeitigen Form nicht geeignet, den Anlagenschutz deutlich zu
verbessern". Die Betreiber wurden aufgefordert, das Konzept
nachzubessern. Das Ministerium berief sich auf eine Prüfung des Konzepts
durch die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS).
"Die Bewertung des Ministeriums deckt sich nicht mit unserem
Kenntnisstand", sagte die EnBW-Sprecherin Petra Wöllmer in Karlsruhe. Das
Landesumweltministerium forderte den Bund auf, in einem
Gesamtschutzkonzept vorzugeben, auf welche konkrete Gefahrenlage sich die
Länder einzustellen haben. Es mache etwa einen großen Unterschied, ob nur
mit einem oder mit mehreren Anflügen eines Terrorpiloten auf ein
Atomkraftwerk zu rechnen sei.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte empfohlen, die älteren Kraftwerke
Biblis A, Philippsburg I, Obrigheim, Isar I und Brunsbüttel vom Netz zu
nehmen. Nach Auffassung des Bundesamtes sind sie nicht ausreichend gegen
Angriffe mit entführten Passagierflugzeugen geschützt. lsw