AP: Trittin weist Anti-Terror-Konzept für Atomkraftwerke zurück
AP, 01.03.04
> Trittin weist Anti-Terror-Konzept für Atomkraftwerke zurück
Berlin (AP) Umweltminister Jürgen Trittin hat die Vorschläge der
Atomindustrie zur Abwehr terroristischer Anschläge aus der Luft als
unzureichend zurückgewiesen. Das Konzept zur blitzartigen Vernebelung der
deutschen Atomkraftwerke könne in seiner bisherigen Form den Schutz der
Anlagen nicht wesentlich verbessern, erklärte Trittin am Montag in
Berlin. Damit dürfte die Debatte um vorzeitige Abschaltung der fünf
besonders gefährdeten Reaktoren in eine neue Runde gehen.
Trittin hatte nach den Anschlägen des 11. September 2001 eine Studie der
Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) über Terrorgefahren für deutsche
Reaktoren erstellen lassen. Die Studie wurde vor einem Jahr an die Länder
weiter gereicht, aber nicht offiziell veröffentlicht. Im vergangenen
Sommer legte die Atomindustrie das Konzept zur Blitzvernebelung und
andere Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit vor, die Trittin
wiederum durch die GRS prüfen ließ.
Zum Ergebnis erklärte der Umweltminister nun: «Das Konzept der Betreiber,
Atomkraftwerke durch künstlichen Nebel vor drohenden terroristischen
Flugzeugabstürzen zu schützen, ist in seiner derzeitigen Form nicht
geeignet, den Schutz der Anlagen deutlich zu verbessern.» Der Plan, die
Anlagen durch künstlichen Nebel zu verhüllen und so einen zielgenauen
Flugzeugabsturz zu verhindern, berücksichtige nicht ausreichend das
Verhalten terroristischer Täter.
«Deshalb wird die Wahrscheinlichkeit eines gezielten Auftreffens auf das
Reaktorgebäude und dessen katastrophalen Folgen nicht ausreichend
verringert», erklärte Trittin. Er forderte die Betreiber zu
Nachbesserungen auf. Die Landesbehörden mahnte er, die Vernebelung nicht
pauschal zu genehmigen, sondern die Wirksamkeit im Einzelnen zu
überprüfen. Zudem kritisierte Trittin erneut, dass die Länder die
Terrorgefahren für die einzelnen Anlagen und die Verbesserung des
Schutzes noch nicht ausreichend geprüft hätten.
Zuletzt hatte bereits der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz,
Wolfram König, Zweifel an dem Vernebelungskonzept der Betreiber erkennen
lassen und gefordert, die fünf unsichersten Reaktoren vorzeitig vom Netz
zu nehmen. Von SPD und Grünen hatte er Rückendeckung für die Forderung
erhalten.
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