HN-St.: Castor-Tunnels werden von zwei Seiten gebohrt
Heilbronner Stimme, 12.02.04
> Castor-Tunnels werden von zwei Seiten gebohrt
Von Joachim Rüeck
Im Frühjahr 2006 sollen die ersten Castor-Behälter mit hochradioaktivem
Atommüll in Tunnels am Neckarwestheimer Kernkraftwerk eingelagert werden.
Nach den langen rechtlichen Auseinandersetzungen laufen seit November die
Bauarbeiten.
In den Nordhang, auf dem das Verwaltungsgebäude des
Gemeinschaftskernkraftwerks Neckar (GKN) steht, treibt die Stuttgarter
Tunnelbau-Firma Baresel die beiden 112 Meter langen Röhren hinein: 90 000
Kubikmeter Stein und Erde - 200 000 Tonnen oder an die 7000
Lastwagenfahrten - werden bewegt, schätzt Bauleiter Dierk Schmidberger.
Bis Jahresende soll der Großteil des Materials abtransportiert sein.
Im Moment laufen die Vorbereitungen, damit Ende März die richtig schweren
Bohrer anrücken können. Die Fachleute werden sich von zwei Seiten in den
Muschelkalk arbeiten, erklärt der Technische Leiter des Kraftwerks, Dr.
Werner Zaiss. Die Hangseite, die künftig den Tunnel-Eingang beherbergt,
wird mit Stahlmatten und Spritzbeton gesichert. Die Anker reichen bis zu
28 Meter ins Gestein.
Zwischen Parkplatz und Verwaltungsgebäude geht es nach unten in den Fels.
Dort heben die Arbeiter einen Bauschacht aus: 46 Pfähle aus Stahlbeton,
20 Meter lang und mit einem Meter Durchmesser, sollen die Wände der 20
Meter breiten Grube abstützen. Per Förderband kommt später der Schutt an
die Oberfläche. Einige Meter nebenan wird der künftige Lüftungsschacht
des Atomlagers gebohrt. Der Bauschacht soll schließlich später bis auf
ein Treppenhaus wieder zugeschüttet werden.
Für das Bauwerk - bestehend aus zwei parallelen, 18 Meter hohen
Lagertunnels und einer Verbindungsröhre - haben die Planer zwei
Betonschalen vorgesehen. Noch vor der vorgesehenen Fertigstellung der
unterirdischen Anlage Ende Oktober 2005 soll auch das Abluftbauwerk neben
dem GKN-Verwaltungsgebäude stehen.
Die Zwischenlager-Baustelle ist von einem hohen Bauzaun geschützt und
ihrerseits wieder vom Kraftwerksgelände abgetrennt. "Es soll möglichst
wenig Materialtransport durch das laufende Kraftwerk geben ", sagt Zaiss.
Der Grund: die Sicherheitsbestimmungen. " Kontrollen, Abtasten,
Motorhaube auf - man braucht etwa eine Stunde" , erläutert Bauleiter
Schmidberger den Weg durch das GKN-Areal. Auch außerhalb dürfen die
großen Lastwagen nicht immer den direkten Weg wählen. Es sei vertraglich
festgeschrieben, dass die Transporter nicht durch Neckarwestheim
hindurch, sondern über den Autobahn-Zubringer fahren, so Zaiss.
Etwa 20 Arbeiter sind derzeit vor Ort, zu Spitzenzeiten werden es 60 bis
80 sein, meint Schmidberger. Auf der Baustelle ist sechs Tage pro Woche
von 6 bis 22 Uhr Betrieb - schließlich muss das atomare Zwischenlager
Anfang 2006 in Betrieb gehen. 35 bis 40 Millionen Euro investiert GKN
laut Werner Zaiss, um bis zu 151 Castoren mit abgebrannten Brennelementen
maximal 40 Jahre - so steht es zumindest in der Genehmigung - zu
verwahren.
12.02.2004