dpa: Ministerium: Kein Grund für Abschaltung
DPA, 23.02.04
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Stuttgart - Für die sofortige Abschaltung von baden- württembergischen
Atomkraftwerken gibt es nach Ansicht des Landesumweltministeriums
"überhaupt keinen Grund". Ein Sprecher von Umweltminister Ulrich Müller
(CDU) sagte am Montag in Stuttgart, über den Atomausstieg gebe es klare
Vereinbarungen zwischen dem Bund und den Betreibern. Das Land sei nicht
involviert. Er reagierte damit auf die Forderung der Grünen, die von
Müller verlangt hatten, gemeinsam mit dem Betreiber Energie Baden-
Württemberg (EnBW) die Reaktoren Philippsburg I und Obrigheim sofort
stillzulegen. Die Frage der Kapazitätsübertragung könne nur der Betreiber
entscheiden.
Wegen unkalkulierbarer Terror-Risiken hatte das Bundesamt für
Strahlenschutz empfohlen, fünf deutsche Atomkraftwerke vorzeitig vom Netz
zu nehmen, darunter den ältesten kommerziell betriebenen Meiler Obrigheim
(Neckar-Odenwald-Kreis) und den Block Philippsburg I (Kreis Karlsruhe).
Auf die Kritik von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne), die
Aufsichtsbehörden der Länder seien seit gut einem Jahr ihren
Verpflichtungen nicht nachgekommen, auf Basis der Modellrechnungen die
Sicherheit der Kraftwerke im Detail zu kontrollieren, sagte der
Stuttgarter Ministeriumssprecher Hans Klöppner: "Alle Bundesländer haben
am 29. Januar den Bund gebeten, ein Gesamtschutzkonzept vorzulegen."
Terrorismusbekämpfung sei eine gesamtstaatliche Aufgabe und könne nicht
auf Länderebene gelöst werden.
Es sei Aufgabe des Bundes, die terroristische Gefährdung belastbar
einzuschätzen und zu entscheiden, gegen welche terroristische
Bedrohungsszenarien zusätzlicher Schutz zu treffen ist. Dies müsse
bundeseinheitlich erfolgen, und zwar unter Einbeziehung aller
gefährlichen oder gefährdeten Einrichtungen wie chemischen
Industrieanlagen oder bedeutsamen Anlagen wie Stadien. "Hamburg kann doch
nicht anders vorgehen als Stuttgart", sagte Klöppner.
Baden-Württemberg lehne es deshalb ab, ohne die Vorklärung dieser Fragen
die Atomkraftwerke im Südwesten auf der Basis der modellhaften
Untersuchungen der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)
anlagespezifische zu untersuchen und anschließend entsprechende
Schutzmaßnahmen anzuordnen. Klöppner erklärte, Atomkraftwerke seien erst
seit 1974 direkt gegen Flugzeugabstürze ausgelegt worden. Baden-
Württemberg befürworte die Vernebelung von Kraftwerken als Maßnahme gegen
Terrorangriffe: "Sie kann aber einen Angriff nicht verhindern, nur
erschweren."