StN: Auch EnBW will Atomkraftwerk ausbauen
Stuttgarter Nachrichten, 28.11.03
> Auch EnBW will Atomkraftwerk ausbauen
> Neckarwestheim II würde nach Kapazitätserweiterung früher vom Netz
gehen
Karlsruhe - Nachdem der Energiekonzern RWE am Mittwoch einräumte, bei
einigen Kernkraftwerken in Deutschland die Produktionsleistung erhöhen zu
wollen, zog am Donnerstag EnBW nach: Auch für Neckarwestheim wurde
demnach ein entsprechender Antrag eingereicht.
VON TORSTEN SCHÖLL
Wie eine Sprecherin der Energie Baden-Württemberg (EnBW) in Karlsruhe
bestätigte, plant der Konzern, die Produktionskapazität von Block II des
AKW Neckarwestheim nachzurüsten. Danach soll der Reaktor mit einer
Nennleistung von 1400 Megawatt um 40 Megawatt aufgestockt werden.
Die Sprecherin bezeichnete das Vorhaben als "betriebswirtschaftlich
sinnvoll", weil der 1989 in Betrieb genommene Block II des
Gemeinschaftskraftwerks Neckar (GKN) der jüngste deutsche Reaktor ist.
Der Atomkompromiss, der im Sommer 2000 ausgehandelt wurde, sieht vor,
dass die Anlage in Neckarwestheim die letzte in Deutschland ist, die vom
Netz genommen wird. Auf Grund der bisherigen Restlaufzeit hätte
Neckarwestheim II voraussichtlich noch bis zum Frühjahr 2021 Strom
produziert. "Unter diesen Bedingungen macht eine Erweiterung trotz
Atomausstiegs Sinn", betonte die Sprecherin der EnBW.
Dem widersprechen Energieexperten wie Bernhard Hillebrand vom Rheinisch-
Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung energisch: Hillebrand
erklärte, dass eine Erhöhung der Produktionskapazität nach dem Wortlaut
des Atomkonsens zwangsläufig auch zu einem früheren Abschalten des
betreffenden Kernkraftwerks führt. Und tatsächlich: Die EnBW bestätigt
gegenüber unserer Zeitung, dass durch die Erweiterung Neckarwestheim II
"rein rechnerisch früher vom Netz gehen würde". Wann genau, wollte der
Konzern nicht preisgeben.
Vermutungen, wonach die Stromerzeuger mit den Anträgen unterstreichen,
dass sie den Atomausstieg für nicht dauerhaft halten, weist die EnBW
freilich zurück: "Wir stehen zu den Kernenergie-Vereinbarungen mit der
Bundesregierung", erklärte der Konzern am Donnerstag. Die Sprecherin
betonte, dass der Antrag bereits im April 2000 beim
Landeswirtschaftsministerium eingereicht wurde - also noch bevor der
Ausstieg aus der Atomkraft besiegelt wurde.
Das Wirtschaftsministerium in Stuttgart bestätigte den Eingang des EnBW-
Antrags. Über die Genehmigung sei jedoch noch nicht entschieden, hieß es.
Aktualisiert: 28.11.2003, 05:05 Uhr