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HN-St: "Der Widerstand fängt erst richtig an" / Kommentar: "Kaum Chancen "



Heilbronner Stimme, 24.11.03

> "Der Widerstand fängt erst richtig an"

Von Herbert Kaletta 

Etwa 150 Menschen haben gestern mit einer Demonstration und einer 
Kundgebung vor dem GKN in Neckarwestheim gegen das geplante unterirdische 
Zwischenlager des Atomkraftwerks protestiert, dessen Bau ab Dezember 
beginnen soll.

"Der Widerstand fängt erst richtig an", rief Wolfram Scheffbuch, Sprecher 
des Bundes der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) den Teilnehmern 
zu. BBMN und neun Gemmrigheimer Gemeinderäte hatten zu der Kundgebung 
aufgerufen. Mit dem Widerstand meinte Scheffbuch den politischen, nachdem 
die Gemeinde Gemmrigheim juristisch unterlegen ist und der Ludwigsburger 
Landrat die Baugenehmigung per Sofortvollzug durchgesetzt hat.

Scheffbuch argumentierte vor den Teilnehmern - darunter auch solche aus 
Phillippsburg und Grafenreinfeld (Bayern), wo auch Zwischenlager geplant 
sind - erneut gegen das GKN-Zwischenlager, dessen Strahlung die 
Gesundheit gefährde, dessen Sicherheit (Dichtheit der Castoren) nicht 
über 40 Jahre garantiert werden könne. Zudem gebe es weltweit kein 
Endlager. Dass das GKN-Zwischenlager zum "ungeregelten" Endlager werden 
könnte, nannte Scheffbuch "reales Risiko".

"Wir gehen davon aus, dass dieser Müll auf ewig hier lagert", meinte auch 
Sven Herold, der für jene neunköpfige Gemmrigheimer Ratsgruppe 
(Ratsmehrheit) sprach, die juristisch das Zwischenlager nicht hatte 
verhindern können und nun den Aufruf zur Demo gemeinsam mit den BBMN 
unterzeichnet hatte.

"Die Gemeinde Gemmrigheim hat sich auf die kommunale Planungshohheit 
berufen, die es als langfristige Planung juristisch nicht gibt. Jetzt 
liegt ein Gesetzesentwurf der Bundesregierung vor, der die Gemeinden in 
Bälde zur langfristigen Planung zwingt. Wer spricht da nicht von Hohn?", 
meinte Sven Herold.

Ebenso sei der Bauantrag des GKN vom Bundesverwaltungsgericht wegen einer 
fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfung für nichtig erklärt worden, aber 
alle darauf beruhenden Gerichtsverfahren für rechtskräftig. "Wer glaubt 
da noch an Recht und Gesetz?", fragte Herold. "Wir sind die Dummen und 
löffeln nun die Suppe gemeinsam aus", war denn auch das Motto der 
Kundgebung.

Da war nur die den Teilnehmern servierte Gulaschsuppe für sie 
wohlschmeckend. Offenkundig war auch in Scheffbuchs Rede, dass die Gegner 
des GKN-Zwischenlagers von keiner Partei mehr Unterstützung erwarten.

Die Hoffnung ist nun eine breite Bürgerbewegung herzustellen, wie einst 
in Wyhl oder im von Scheffbuch zitierten bayerischen Wackersdorf, wo 1986 
der Widerstand eine schon genehmigte Wiederaufbereitungsanlage 
verhinderte. Scheffbuch sieht in der sichtbaren Zwischenlager-Baustelle 
beim GKN einen "symbolischen Ort", den man öfters nutzen sollte, um den 
Widerstand zu dokumentieren.

Die Resonanz von etwa 150 Teilnehmern wertete Scheffbuch auf Anfrage 
positiv: "Die Zahl und auch, dass die Leute von mehreren Gemeinden und 
aus der ganzen Region kommen, zeigt, dass der Widerstand lebt." Es können 
mehr werden, meint Scheffbuch, der politische Startschuss zum Widerstand 
sei gegeben, jetzt sei die Zeit "durchzustarten".



Kommentar 

> "Kaum Chancen "

Von Herbert Kaletta

Kommt nach der juristischen Niederlage die politische Offensive? Die 
Gegner des GKN-Zwischenlagers träumen schon mal von Wackersdorf, wo 1986 
Demonstrationen von bis zu 100 000 Menschen letztlich eine atomare 
Wiederaufbereitungsanlage verhinderten. Realistisch ist dies nicht. Wyhl, 
Brockdorf und wie die Orte heißen: Sie waren bundesweite Symbole. Die 
Zwischenlager gibt's im Dutzend. Allein von der Zeit, der Energie und der 
Logistik her ist das, was die Gegner der Atomkraft-Gegner Demonstrations-
Tourismus nennen, nur schwer vorstellbar. Jedenfalls nicht in einer 
Dimension, die zur Revision von Entscheidungen führt.

Schließlich hat die Bewegung auch dezimiert, dass es für viele Grüne 
nicht mehr opportun ist, sich seit dem von Rot-Grün beschlossenen 
Atomausstieg noch hier zu engagieren.

So wird den Widerständlern gegen das GKN-Zwischenlager 
höchstwahrscheinlich nur die Rolle der Mahner bleiben. Gegen eine Energie-
Technik, die von vielen inzwischen aus ökonomischen Gründen und im Wissen 
um relativ hohe Sicherheitsstandards trotz Risiken akzeptiert wird. Eine 
Energie freilich, die zumindest das Problem der Endlagerung nie gelöst 
hat. Auch Rot-Grün hat - ungeachtet des Atomausstiegs - das Problem nur 
verlagert, nicht gelöst. Wenn eine Vermutung der Gegner des GKN-
Zwischenlagers daher hohe Wahrscheinlichkeit hat, dann diese: Das 
Zwischenlager wird später auch Endlager sein.