[älterer Artikel][Neuerer Artikel][Übersicht][

HN-St.: Deutlich mehr Gewerbesteuer als erwartet



Heilbronner Stimme, 21.11.03

> Deutlich mehr Gewerbesteuer als erwartet

Von Uwe Mundt  Alle jammern. Neckarwestheim (noch) nicht. Im 
Haushaltsjahr 2002 hat die Kernkraftwerksgemeinde wiederum einen 
ordentlichen Schluck aus der Pulle genommen und rund 3,2 Millionen Euro 
mehr Gewerbesteuer eingestrichen.

Das hat den eingeplanten Griff in die Rücklage zum Haushaltsausgleich 
beträchtlich verringert. Der Gemeinderat genehmigte die Jahresrechnung 
2002 einstimmig. "Am Ende des Jahres steht die Gemeinde in finanzieller 
Hinsicht nach wie vor hervorragend da und ist für die anstehenden 
Aufgaben gerüstet." Dieses Fazit zog Kämmerer Walter Link aus den 
vorgelegten Zahlen. Da gab es auch für die Bürgervertreter nichts mehr zu 
diskutieren.

Zu Beginn des Haushaltsjahres hatte es nicht ganz so rosig ausgesehen. 
Vorgesehen war, was nur in Notfällen geschehen sollte: Eine Stützung des 
Verwaltungs- durch den Vermögenshaushalt in Höhe von 510 000 Euro, eine 
so genannte negative Zuführungsrate. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer 
waren mit lediglich 1,5 Millionen Euro eingeplant. Der, allerdings ansehn 
lichen, Rücklage sollten 2,78 Millionen Euro entnommen werden.

Doch unvorhersehbar, wie Kämmerer Link betonte, mussten 
Muttergesellschaften des Kernkraftwerks für die Jahre 1992 und 1993, 1997 
und 1998 nicht weniger als 3,24 Millionen Euro Gewerbesteuer nachzahlen. 
Weil diese Nachzahlungen sich auf teilweise lange zurückliegende Zeiten 
beziehen, kamen auch noch fast 640 000 Euro Nachzahlungszinsen oben 
drauf. Und diese Summe wird nicht in die Umlagen eingerechnet, sondern 
verbleibt der Gemeinde netto.

Mit den veranschlagten 1,5 Millionen Euro, die so tatsächlich von 
Gewerbebetrieben gezahlt wurden, hat Neckarwestheim unterm Strich fast 
4,75 Millionen Euro eingenommen. Wermutstropfen: Die Gewerbesteuer-Umlage 
hat sich deswegen auch gleich um 1,15 auf 1,9 Millionen Euro erhöht.

Und im Jahr 2004 werden für die Mehreinnahmen auch höhere Kreis- und 
Finanzausgleichsumlagen fällig. Umgekehrt hat sich allerdings die 
Richtung der Zuführungsrate. 2002 erwirtschaftete der 
Verwaltungshaushalt, wie es eigentlich auch sein sollte, rund 2,5 
Millionen Euro, die dem Vermögenshaushalt und damit den Investitionen 
zugeschrieben wurden.

Damit reduzierte sich die Entnahme aus der Rücklage auf magere 107 000 
Euro. Am Jahresende hatte Neckarwestheim 16,3 Millionen Euro auf der 
hohen Kante. Schulden stehen diesem Betrag seit dem Jahr 1994 nicht mehr 
gegenüber. Noch immer ist die Gemeinde vor schweizer und österreichischen 
Gerichten auf der Jagd nach den von Bürgermeister Mario Dürrs 
Amtsvorgänger verzockten Millionen. Im Jahr 2002 konnte die Gemeindekasse 
davon freilich nicht profitieren.

Im Gegenteil: Sie musste rund 180 000 Euro für Gerichts- und 
Anwaltskosten berappen - 30 000 Euro mehr als im Haushalt ursprünglich 
vorgesehen. Auch im letzten Jahr seiner ersten Amtszeit lässt den 
Neckarwestheimer Schultes der Schatten seines Vorgängers nicht los.

21.11.2003