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HN-St: Atomlager: Gemeinderat gibt auf



Heilbronner Stimme, 19.11.03

> Atomlager: Gemeinderat gibt auf

Von Joachim Rüeck 

Der Gemmrigheimer Gemeinderat wehrt sich nicht gegen die Baugenehmigung 
für das Atomlager am Neckarwestheimer Kernkraftwerk. Damit endet ein über 
dreijähriger Rechtsstreit.

Das Ludwigsburger Landratsamt hatte als Kommunalaufsicht anstelle 
Gemmrigheims dem Bauantrag zugestimmt (wir berichteten). Deshalb hat die 
Gemeinde nun baurechtlich keine Chance mehr, die Castortunnels zu 
verhindern. Das machte der Anwalt der Kommune, Till Bannasch, in der 
Gemeinderatssitzung am Montagabend klar.

Da die Behörde sofortigen Vollzug angeordnet hat, erklärte Bannasch, habe 
selbst ein Einspruch gegen die Ludwigsburger Verfügung keine 
aufschiebende Wirkung. Sprich: Der Bau des Zwischenlagers könnte trotzdem 
beginnen. Die Erfolgsaussichten eines Eilantrags auf sofortigen Baustopp 
beurteilt der Rechtsvertreter ebenfalls mit Null. Schließlich hat 
Gemmrigheim bisher alle Prozesse in Sachen Atomlager verloren.

Deshalb komme wohl kein Gericht zu der Überzeugung, dass die Gemeinde im 
Hauptverfahren Recht bekommen könnte. Frustriert vernahmen die Räte, dass 
auch das Kommunalrecht keinen Spielraum mehr bietet. Die Entscheidung des 
Landratsamts sei eine Ermessensfrage - "das haben sie sich dort drei 
Jahre lang gut überlegt" - und wasserdicht. "Man muss wissen, wann 
Schluss ist", sagte Gemeinderat Sven Herold, der Wortführer der 
Zwischenlager-Gegner. Es sei wichtig, zu wissen, dass alle Rechtsmittel 
ausgeschöpft worden seien. Man habe nicht nur geklagt um der Klage willen 
oder Geld verschwendet, "sondern wichtige Zeichen gesetzt".

Manfred Schäfer sieht "keine Möglichkeit für die Gemeinde, die atomare 
Risikokette zu zerschneiden". Und Norbert Palenta resümierte in Sachen 
Atommüll: "Mir henn's jetzt, mir krieget's, und mir könnet's b'halta." 
Sechs Räte stimmten dafür, die Baugenehmigung zu akzeptieren, neun 
enthielten sich. Ob eine Widerstands-Hintertüre offen bleibt, prüft der 
Rechtsanwalt der Kommune jedoch noch: Gegen die atomrechtliche 
Genehmigung hat die Gemeinde schon fristwahrend Klage erhoben.