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StZ: Gemmrigheim gibt vorerst nach



Stuttgarter Zeitung, 19.11.03

> Gemmrigheim gibt vorerst nach
 
Gemeinderat legt keinen Widerspruch gegen Baugenehmigung ein-Private 
Klage möglich?
 
GEMMRIGHEIM. Die Gemeinde Gemmrigheim akzeptiert die Entscheidung des 
Landrates, den Bau des Zwischenlagers zu genehmigen. Damit geben die 
Gemeinderäte einen vier Jahre währenden Widerstand auf. Offenbar lassen 
sie nun eine neue Taktik prüfen.

Von Verena Mayer

Die jüngste Sitzung des Gemmrigheimer Gemeinderates wird vermutlich als 
historische in die Gemeindechronik eingehen. Nach vier Jahren heftigsten 
Widerstandes haben die Gemeinderäte den Rat ihres Anwaltes Till Bannasch 
befolgt: Sie werden juristisch nicht weiter gegen den Bau des 
unterirdischen Zwischenlagers vorgehen. Wie berichtet, hat der Landrat 
Rainer Haas Ende Oktober dem Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN) die 
Baugenehmigung für das Zwischenlager erteilt. Die Gemeinde hatte sie 
trotz mehrerer Niederlagen vor Gericht und Mahnungen des Landrates sowie 
des eigenen Anwaltes verweigert. Im Januar kommenden Jahres soll der 
Spatenstich für das gesetzlich vorgeschriebene Lager erfolgen.

Wie Till Bannasch den Gemeinderäten bei ihrer jüngsten Zusammenkunft 
erläuterte, könne er "nur dazu raten, keine Rechtsbehelfe gegen die 
kommunalaufsichtliche Verfügung des Landratsamtes einzulegen". 
Theoretisch, sagte der Jurist, könne die Gemeinde zwar gegen die 
Genehmigung als solche vorgehen sowie gegen die Einmischung des 
Landratsamtes. Die Aussichten auf Erfolg seien aber jeweils äußerst 
gering.

Der Versuch, das Lager über das Baurecht zu verhindern, sei bereits 
zweimal vor Gericht gescheitert, der Ausgang eines dritten Anlaufes also 
vorhersehbar. Demnach sei auch die so genannte Ersatzvornahme des 
Landratsamtes "rechtlich nicht angreifbar". Die Behörde habe die Gemeinde 
letztlich vor potenziellen Haftungsansprüchen des GKN schützen müssen. 
Sollte dessen Betrieb gestoppt werden, weil ausgediente Brennelemente 
nicht entsorgt werden können, drohen der Gemeinde Gemmrigheim bis zu eine 
Million Euro Schadenersatz pro Tag. "Man kann nicht sagen, dass hier der 
kommunalaufsichtliche Hammer aus der Tasche gezogen worden ist", sagte 
Bannasch.

Um den Baubeginn tatsächlich verhindern zu können, müsste die Gemeinde 
laut Bannasch einen Eilantrag auf einen Baustopp stellen. Doch auch 
diesem würde kein Erfolg beschieden sein. "Nun ist ein Punkt erreicht, wo 
wir baurechtlich keine Chance mehr gegen das Lager sehen", mahnte 
Bannasch hauptsächlich die neun Gemeinderäte, die die Appelle ihres 
Beraters in den letzten Monaten ignoriert hatten. Bei der jüngsten 
Abstimmung enthielten sie sich. Mit sechs Ja- und keiner Neinstimme wurde 
beschlossen, die Baugenehmigung des Landratsamtes zu akzeptieren. "Man 
muss wissen, wann Schluss ist", sagte Sven Herold (CDU), der vehementeste 
Protestierer unter den Räten.

Möglicherweise ist den neun Räten, die sich enthalten haben, ihre 
Entscheidung etwas leichter gefallen, weil sie eine neue Chance wittern, 
wenigstens den Betrieb des Zwischenlagers zu verhindern. Nach 
Informationen der Stuttgarter Zeitung soll Till Bannasch nun prüfen, ob 
juristische Schritte über das Atomrecht Erfolg versprechend sein könnten. 
Demnach müsste eine Privatperson gegen das Zwischenlager klagen und 
gesundheitliche Auswirkungen des strahlenden Mülls als Argumente 
anführen.

Das GKN plant, die beiden Stollen im Frühjahr 2006 in Betrieb zu nehmen.
 
Aktualisiert: 19.11.2003, 05:06 Uhr