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StN: Gemmrigheim zieht wegen GKN erneut vor Gericht



Stuttgarter Nachrichten, 19.11.03

> Gemmrigheim zieht wegen GKN erneut vor Gericht
> Gemeinde reicht aber diesmal Klage gegen die atomrechtliche Genehmigung 
des Zwischenlagers ein
 
Gemmrigheim, Kreis Ludwigsburg - Der Gemeinderat gibt einerseits auf und 
wird die Genehmigung für den Bau des Atomzwischenlagers nicht anfechten. 
Vor Gericht wird Gemmrigheim trotzdem ziehen - aber nun gegen die 
atomrechtliche Erlaubnis.

VON KERSTIN RUCHAY

Selten waren sich die Gemeinderäte so einig wie in der Sitzung am 
Montagabend: "Man muss wissen, wann Schluss ist", sagte Sven Herold 
(CDU). Mit neun Enthaltungen und sechs Jastimmen entschied das Gremium, 
baurechtlich nicht weiter gegen das vom Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar 
(GKN) geplante atomare Zwischenlager auf Markung von Gemmrigheim zu 
prozessieren. "Es war uns wichtig, zu zeigen, dass mit uns nicht alles zu 
machen ist", erklärte Herold.

Schon seit drei Jahren kämpft der Gemmrigheimer Gemeinderat gegen das 
unterirdische Depot für abgebrannte Brennstäbe. Bislang allerdings ohne 
Erfolg. Egal welche Schachzüge sich die Damen und Herren auch ausgedacht 
hatten: Vor Gericht hatten sie keine Chance, das 30 Millionen Euro teure 
Projekt zum Scheitern zu bringen - weder mit dem Plan, auf dem Gelände 
einen Energiepark zu errichten, noch mit dem Vorhaben, den Bau mit einer 
Veränderungssperre für das Areal zu verhindern.

Vergeblich hatte der Anwalt der Gemeinde, Till Bannasch, die 
Bürgervertreter davor gewarnt, auch nach dem Machtwort des 
Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig am Widerstand gegen das Lager 
festzuhalten. Das Landratsamt Ludwigsburg hatte sich nach einer erneuten 
Ablehnung im Oktober über die rechtswidrige Entscheidung der Kommune 
hinweggesetzt und vor kurzem die Genehmigung für das Depot erteilt - mit 
sofortiger Wirkung. Weiterer Protest der Gemeinde hätte das Vorhaben 
schon deshalb nicht hinauszögern können. Mit dem Bau des Zwischenlagers 
will das GKN in den nächsten Wochen beginnen. Schließlich soll das Lager 
für 150 Castorbehälter im Februar 2006 bezugsbereit sein.

Kampflos aufgeben wollen die Gemeindevertreter jedoch immer noch nicht. 
Anfang November hat die Kommune beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim eine 
Klage gegen die atomrechtliche Genehmigung eingereicht. Das Bundesamt für 
Strahlenschutz in Salzgitter hatte sie Ende September erteilt. Die 
Begründung für die Klage muss Gemmrigheim in den nächsten zwei Monaten 
nachliefern.

Die Gemeinde, erklärt Bürgermeisterin Monika Tummescheit, wollte sich die 
Option offen halten, gegen die Erlaubnis vorzugehen. Ob dies möglich ist, 
muss der Anwalt prüfen. Tummescheit macht sich wenig Hoffnung auf Erfolg. 
Die Erfahrungen beim Bau des Interimslagers haben gezeigt: "Nur bei 
Rechtsfehlern kann die Gemeinde Einspruch erheben." Die hat Gemmrigheim 
beim Interimslager vergeblich gesucht und musste deshalb die Klage 
zurückziehen.