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HN-St: Energiekonzern räumt vorzeitiges Aus für ältestes Atomkraftwerk ein



Heilbronner Stimme, 14.11.03

> Energiekonzern räumt vorzeitiges Aus für ältestes Atomkraftwerk ein  

Das Atomkraftwerk in Obrigheim (KWO) könnte nach Einschätzung des 
Energiekonzerns EnBW schon früher als geplant vom Netz gehen. Sollte die 
genehmigte Reststrommenge vor dem 15. November 2005 aufgebraucht sein, 
sei eine vorzeitige Abschaltung möglich, sagte Petra Wöllmer, Sprecherin 
der Energie Baden-Württemberg AG am Donnerstag.

Detlef Piepenburg, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises (NOK), betonte 
gestern Abend zwar, dass sich dadurch im Grundsatz nicht viel ändere. "Ob 
KWO einen Monat früher oder später vom Netz geht, spielt für die 
kommenden strukturellen Probleme unserer Region keine Rolle."

Dennoch räumte der Chef des Landratsamtes ein, dass die Ankündigung 
seitens des Energiekonzerns eine neue Qualität in die Laufzeitdiskussion 
bringe. Immerhin hatte Landeswirtschaftsminister Walter Döring (FDP) 
kürzlich angekündigt, sich für längere Laufzeiten der Südwest-Meiler 
einzusetzen. Ziel sei die Verlängerung der Laufzeit von der 
Inbetriebnahme an auf 50 Jahre. Obrigheim würde dann noch bis 2019 Strom 
liefern.

In Obrigheim ist inzwischen ein kommunaler Arbeitskreis zur Stärkung des 
Wirtschaftsraumes gebildet worden. Der habe bisher allerdings erst einmal 
getagt, räumte Piepenburg ein. Entscheidend sei schnellstmöglich für den 
Wegfall der Arbeitsplätze einen Ausgleich zu schaffen. " Sonst steht die 
Region Mosbach/Obrigheim vor einer längeren Durststrecke. " Wie die 
Landesregierung sieht auch Piepenburg hier den Bund in der Pflicht. Der 
Landrat setzt aber auch darauf, dass EnBW bei künftigen Planungen 
Obrigheim nicht vergisst.

Obrigheims Bürgermeister Roland Lauer zeigte sich gestern Abend wenig 
überrascht von der Ankündigung des Engergiekonzerns. Die entscheidende 
Frage für die Zukunft sei jetzt, ob und wie schnell EnBW ein neues 
Kraftwerk in Obrigheim errichtet. Lauer denkt dabei an Kohle oder Gas. 
Die Rahmenbedingungen dafür habe die Kommune im Flächennutzungsplan 
geschaffen. Und tatsächlich prüft der Energiekonzern, ob sich der 
Standort Obrigheim anderweitig nutzen lässt.

Geht das Kraftwerk vom Netz, gehen die Arbeitsplätze in der Region nicht 
von heute auf morgen vollständig verloren. Nach Berechnungen des 
Wirtschaftsministeriums wird sich der Rückbau des Reaktors "bis weit über 
das Jahr 2030 hinaus erstrecken". Über Jahrzehnte blieben somit im 
Restbetrieb sowie beim Rückbau rund 200 der bislang 350 Arbeitsplätze im 
AKW Obrigheim erhalten.

Hinzu komme Arbeit für externe Firmen, so dass über längere Zeit 
Arbeitsplätze in der Region zur Verfügung stünden. Die EnBW sicherte 
unterdessen zu, allen nicht beim Rückbau beschäftigten Mitarbeitern eine 
andere Stelle im Konzern anzubieten.

Nach dem Atomkonsens, den die rot-grüne Bundesregierung und die 
Stromindustrie geschlossen haben, hätte das Kraftwerk eigentlich schon 
Anfang 2003 vom Netz gehen müssen. Nach monatelangem Streit bei den 
Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene hatte die Bundesregierung der 
EnBW aber eine Laufzeitverlängerung zugesagt.

Die EnBW durfte 5,5 Terrawattstunden von dem jüngeren Reaktor 
Philippsburg 1 (Kreis Karlsruhe) auf das Reststrommengen-Konto von 
Obrigheim übertragen. Im Gegenzug hatte die EnBW zugesichert, KWO 
allerspätestens am 15. November 2005 abzuschalten. (wom/lsw)