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StN: Im Notfall Jodtabletten für die Anwohner



Stuttgarter Nachrichten, 17.11.03

> Im Notfall Jodtabletten für die Anwohner
> Störfall im Kernkraftwerk: Großübung von Behörden und Rettungskräften
 
Stuttgart - Kurz vor 11.30 Uhr ruft Katastrophenschutzleiter Frieder Lieb 
den Krisenstab zusammen. Anderthalb Stunden vorher ist im 
Neckarwestheimer Kernkraftwerk Radioaktivität ausgetreten. Am Samstag 
übten Regierungspräsidium, Landratsämter und Feuerwehren den Ernstfall.

VON BIRGIT KLEIN

Die Luft ist zum Schneiden in dem Zimmer im ersten Untergeschoss des 
Regierungspräsidiums (RP) in Vaihingen. Doch weder 
Katastrophenschutzleiter Lieb noch die versammelte Stabsleiterschar 
scheint sich daran zu stören. Die Stabsleiter berichten, welche der 
Maßnahmen in den vergangenen anderthalb Stunden seit dem Störfall im 
Gemeinschaftskernkraftwerk (GKN) Neckar in Neckarwestheim greifen. Die 
Bevölkerung wurde über Rundfunksender aufgerufen, Türen und Fenster zu 
schließen und zu Hause zu bleiben. Busse und Züge stehen bereit, um 
gegebenenfalls ganze Ortschaften zu evakuieren. Der GKN-Betreiber 
beschwört, dass nur einmal, nämlich gegen 10 Uhr, Radioaktivität aus dem 
defekten Atommeiler ausgetreten ist. Strahlenspürtrupps sind für 
Messungen ausgeschwärmt.

Die letzte Katastrophenschutzübung rund um das GKN liege schon ein paar 
Jahre zurück, sagt Horst Rapp, Vizepräsident des Stuttgarter RP. Er 
verbrachte wie an die 50 weitere Akteure den Samstagvormittag und -mittag 
im Regierungspräsidium. Sie arbeiteten den neun Stabsbereichsleitern zu, 
die zumeist in einem Raum zusammensitzen. Die Informationen über die 
Situation vor Ort lieferten Mitarbeiter aus den Landratsämtern in 
Heilbronn, Künzelsau für den Hohenlohekreis, Ludwigsburg und Waiblingen 
für den Rems-Murr-Kreis. Ergänzt wurde das Katastrophenszenario noch 
durch einen auf der A 81 zwischen Zuffenhausen und Ludwigsburg Süd 
verunglückten Gefahrguttransporter, der die ohnehin schon angespannte 
Verkehrslage auf der Autobahn verschärfte. Bei der Übung mitgespielt 
haben natürlich auch das Kernkraftwerk und sechs Strahlenspürtrupps 
verschiedener Feuerwehren.

Deren Messungen wartet Katastrophenschutzleiter Lieb jetzt noch ab, bevor 
er mit den Stabsbereichsleitern zusammen weitere Entscheidungen im 
Untergeschoss des Stuttgarter Regierungspräsidiums trifft. Zum Beispiel, 
ob Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt werden oder nicht.

Das Training für das möglichst reibungslose Zusammenwirken der Behörden 
und der Rettungskräfte im Ernstfall wird von so genannten Schiedsrichtern 
in den Ämtern ganz genau beobachtet: "Sie greifen nicht ein, sondern 
notieren, was veranlasst wurde", erklärt RP-Vizepräsident Horst Rapp die 
Aufgabe der Unparteiischen. Ihre Notizen werden in den kommenden Wochen 
ausgewertet und die Ergebnisse dann mit allen Beteiligten besprochen. Ein 
Termin für die Manöverkritik der monatelang vorbereiteten Übung ums 
Kernkraftwerk in Neckarwestheim steht noch nicht fest.
 
Aktualisiert: 17.11.2003, 05:34 Uhr