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jW: Razzia bei Castorgegnern



Junge Welt, 01.11.03

> Razzia bei Castorgegnern   
> Polizei versucht, Antiatombewegung zu kriminalisieren. Strahlende 
Abfälle verlassen am 10. November La Hague   

Kurz vor dem Castortransport nach Gorleben erhöht die Polizei den Druck 
auf die Antiatombewegung. Dutzende Beamte durchsuchten am Donnerstag die 
Wohnungen von sieben AKW-Gegnerinnen und -gegnern in Heidelberg, 
Karlsruhe und Wiesloch in Baden-Württemberg. Mehrere Betroffene mußten 
sich erkennungsdienstlich behandeln lassen. Bei der Razzia beschlagnahmte 
die Polizei zahlreiche Gegenstände. Nach Angaben südwestdeutscher 
Antiatominitiativen wurden auch private Dias, ein Video über eine 
iranische Hochzeit, Ordner mit persönlichen Aufzeichnungen sowie Computer 
mitgenommen.

Als Grund für ihre Aktion gab die Polizei einen angeblichen Anschlag auf 
eine ICE-Trasse am 22. Oktober an. Dabei war ein Zug durch auf den 
Schienen liegende Metallteile leicht beschädigt worden.

Betroffen von der Durchsuchung waren den Atomgegnern zufolge 
ausschließlich Menschen, deren Personalien bei früheren Mahnwachen am AKW 
Philippsburg aufgenommen worden waren. In einer veröffentlichten 
Erklärung protestierten die Initiativen gegen die Repressionsmaßnahmen. 
Die Kriminalisierung von Menschen, die sich gegen Atomanlagen 
engagierten, sei »untragbar«. Die Polizeimaßnahmen dienten dazu, in der 
Öffentlichkeit ein kriminelles Gefährdungspotential durch Atomkraftgegner 
zu konstruieren.

Im Wendland bereiten sich die Castorgegner unterdessen weiter auf die 
Ankunft der zwölf Atommülltonnen in der übernächsten Woche vor. In ihrem 
neu errichteten »Baumhaus« in Langendorf bei Gorleben bietet die 
Umweltorganisation Robin Wood am heutigen Samstag einen »Schnupper-
Kletterkurs« für sportlich Aktive an. Ebenfalls am Sonnabend wird am 
Verladekran in Dannenberg die »WebCam« der Bürgerinitiative Umweltschutz 
Lüchow-Dannenberg freigeschaltet. Auf einer Couch wollen sich Menschen 
aus dem Widerstand in den kommenden Tagen weltweit im Netz präsentieren 
(www.castor.de).

Im Anschluß beginnt dort die Kunst- und Technikaktion »Tag des offenen 
Himmels«. Dabei sind Versuche mit Flugobjekten wie Drachen, 
Modellflugzeugen und Heißluftballons angekündigt. In Lüneburg, Uelzen und 
Buchholz sind an diesem Wochenende Demonstrationen und Mahnwachen, in 
Hamburg ist ein großes Konzert unter dem Motto »Gorleben ruft« geplant.

Vor dem Lüneburger Oberverwaltungsgericht (OVG) konnten die Atomgegner am 
Donnerstag abend einen Erfolg feiern. Die vor sieben Jahren im Wendland 
gegründete Firma »Salinas Salzgut GmbH« darf in einem von ihr gepachteten 
Teil des Gorlebener Salzstocks Salz fördern. Das OVG bestätigte einen 
Richterspruch der Vorinstanz und beendete so einen jahre langen 
Rechtsstreit. Salinas will das in Gorleben geförderte Salz vermarkten. 
Dahinter steht die Hoffnung, dem Bund bei der Erkundung des Salzstocks 
auf seine Eignung als Atommüllendlager kräftig in die Suppe spucken zu 
können.