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HN-St.: "Rundschau"



Heilbronner Stimme, 31.10.03

> Rundschau

[...] Auf keine andere Gemeinde im Kreis Heilbronn hat die Bundespolitik 
so gravierende Auswirkungen wie auf Neckarwestheim. Weil sich Rot-Grün 
vom Atomkonsens verabschiedete, der die Last der Nutzung der Atomenergie 
einstens auf mehrere Schultern verteilte, bekommt Neckarwestheim nun ein 
Lager für hochradioaktiven Müll. Das ist zwar rechtlich "nur" ein 
Zwischenlager. Doch zweierlei macht die Menschen unsicher, wenn nicht gar 
wütend: Selbst wenn die Lagerstätte tatsächlich eine auf Zeit ist, dann 
erscheinen 40 Jahre für eine Generation schon als endgültig.

Mehr noch, weil die Frage eines atomaren Endlagers in Deutschland noch 
immer nicht beantwortet ist, obwohl seit langem die Salzstöcke in 
Gorleben erforscht werden. Die weitere Erkundung ist ausgesetzt. Was 
also, wenn sich die Bundesrepublik weiterhin unfähig zeigt, einen 
Endlagerstandort festzulegen?

Sorgen bereitet auch die Aussicht, dass mit Beginn der Bauarbeiten am 
unterirdischen Tunnel für die 151 Castoren ein neues Symbol entstehen 
könnte: Die Baustelle für das neue Atomlager als Anziehungspunkt für 
Protestierer aus dem ganzen Bundesgebiet. Neckarwestheim statt Gorleben? 
Der ehemalige Steinbruch als Hort von Randale und Chaos? Betrachtet man 
das Widerstandspotenzial der Vergangenheit, als es darum ging, zwei 
Blöcke eines Atomkraftwerkes in diese Landschaft zu setzen, dann 
erscheint diese Befürchtung unrealistisch. 

[...]