StZ: Atomausschuss: Landtag gegen personelle Konsequenzen
Stuttgarter Zeitung, 31.10.03
> Opposition streitet heftig
> Atomausschuss: Landtag gegen personelle Konsequenzen
STUTTGART. Mit einem handfesten Krach in der Opposition ist die Arbeit
des Untersuchungsausschusses zur Atomaffäre zu Ende gegangen. Die Grünen
erklärten das von der SPD erzwungene Gremium für überflüssig - in
seltener Eintracht mit CDU und FDP.
Von Andreas Müller
Normalerweise dienen Untersuchungsausschüsse dazu, die Regierung in
Bedrängnis zu bringen. Doch als gestern im Landtag der Abschlussbericht
zu den Pannen bei der Atomaufsicht diskutiert wurde, konnte sich
Umweltminister Ulrich Müller (CDU) entspannt zurücklehnen. Von
Rücktrittsforderungen an seine Adresse war keine Rede mehr, stattdessen
nahmen sich die beiden Opositionsfraktionen gegenseitig aufs Korn.
Hat sich die Arbeit des Gremiums wirklich gelohnt? Oder war der Aufwand -
14 Sitzungstage, 54 Zeugen, 1700 Protokollseiten - weit gehend
vergeblich? Darüber gingen die Ansichten zwischen der SPD, die den
Ausschuss im Alleingang beantragt hatte, und den Grünen auseinander.
Der SPD-Abgeordnete Rainer Stickelberger befand, die Untersuchung sei
richtig und notwendig gewesen. Sie habe das Versagen der Atomaufsicht bei
den Sicherheitsverstößen im Kernkraftwerk Philippsburg eindringlich
bestätigt. Im Ministerium, so sein Fazit, habe ein "Informations- und
Organisationschaos" geherrscht.
Dagegen urteilte der Grünen-Abgeordnete Walter Witzel, der Ausschuss habe
"keine substanziell neuen Ergebnisse" gebracht. Seine Fraktion sehe sich
in ihrer Skepsis bestätigt. "Warum haben Sie diesen riesigen Aufwand
angestoßen?" fragte Witzel in Richtung SPD. Während er bei der CDU damit
zustimmende Zwischenrufe erntete ("Respekt!"), reagierten die Genossen
verärgert. Er könne nicht verstehen, weshalb ausgerechnet die Grünen
derart "hasenfüßig" mit dem Thema umgingen.
Zuvor hatten auch die Redner der Regierungsfraktionen bilanziert, der
Ausschuss sei überflüssig gewesen. Seine aufwendige Arbeit komme "den
Steuerzahler teuer zu stehen", rügte die FDP-Frau Heiderose Berroth. Für
die CDU nahm Peter Hauk den Umweltminister gegen die Vorwürfe der
Opposition in Schutz. Einmütig lehnte die CDU-FDP-Mehrheit den Antrag der
Grünen ab, den Leiter der Atomaufsicht im Ministerium abzulösen.
Zumindest da votierte die Opposition wieder gemeinsam - und unterlag.