StZ/lsw: Polizei: Anschlag wohl Ursache für ICE-Unfall
Stuttgarter Zeitung, 31.10.03
> Polizei: Anschlag wohl Ursache für ICE-Unfall
KARLSRUHE (lsw). Im Zusammenhang mit dem wahrscheinlich auf einen
Anschlag zurückgehenden ICE-Unfall am 22. Oktober bei Karlsruhe hat die
Polizei gestern sieben Wohnungen in Nordbaden durchsucht. Das bestätigte
der Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe. Bei den überprüften Mietern
soll es sich um mutmaßliche Mitglieder der "Südwestdeutschen Anti-Atom-
Initiative" handeln. Die Auswertung der sichergestellten schriftlichen
Unterlagen und elektronischen Geräte werde einige Zeit dauern, hieß es.
Die nicht festgenommenen Personen seien Tatverdächtige und keine
Beschuldigten.
Das Blechteil, das den ICE Dortmund-Basel gestoppt hatte, sei inzwischen
rekonstruiert worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Die
Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass die ursprünglich 2,5 mal 1,25
Meter große und zwei Millimeter dicke Werbetafel vorsätzlich auf die
Schienen gelegt wurde. Der ICE war am 22. Oktober bei Stutensee (Kreis
Karlsruhe) mit Tempo 200 über die Platte gerast und hatte sie in Dutzende
Stücke zerfetzt. Der Zug musste eine Notbremsung machen. Verletzt wurde
niemand. Die rund 100 Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. Der
Triebwagen des ICE 605 wurde erheblich beschädigt. Die Höhe des
Sachschadens steht noch nicht fest. Eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe
hat die Splitter der Aluminiumplatte eine Woche lang zurechtgebogen und
wie in einem Puzzlespiel zusammengesetzt. Heraus kam eine schwarze
Werbetafel, auf die mit Silberfolie Buchstaben geklebt waren.