ddp: ICE-Notbremsung möglicherweise durch Anschlag von Atomkraftgegner verursacht
DDP, 31.10.03
> ICE-Notbremsung möglicherweise durch Anschlag von Atomkraftgegner
verursacht
Karlsruhe (ddp). Nach dem ICE-Unfall bei Karlsruhe wird gegen mehrere
Atomkraftgegner ermittelt. Am Abend durchsuchte die Polizei sieben
Wohnungen von Mitgliedern der Anti-Atom-Bewegung in
Heidelberg, Wiesloch und Karlsruhe, sagte ein Sprecher auf ddp-Anfrage
sagte. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen Anschlag von
Atomkraftgegnern handle.
Am 21. Oktober hatte ein ICE zwischen Graben-Neudorf und Stutensee-
Friedrichstal wegen einer Metallplatte auf den Schienen bei Tempo 200
eine Notbremsung machen müssen. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.
Am Triebwagen entstand Sachschaden. Der Zug war mit rund 100 Personen
besetzt.
Dem Polizeisprecher zufolge wird in verschiedene Richtungen ermittelt. Da
im Tatzeitraum aber auch ein Atommülltransport die betroffene Strecke
befuhr, sei die Annahme eines Anschlags der Anti-Atom-Bewegung
«zulässig». Bei den Durchsuchungen seien mehrere Gegenstände
beschlagnahmt worden, die nun ausgewertet werden sollen. Festnahmen habe
es bislang keine gegeben.
Scharfe Kritik an den Hausdurchsuchungen
Die «Südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen» äußerten derweil scharfe
Kritik an den Hausdurchsuchungen. Die Polizei verfolge damit das Ziel,
Menschen aus der Anti-Atom-Bewegung zu «kriminalisieren». Dies sei
«untragbar». Es sei «grundsätzliche Leitlinie» der Atomkraftgegner, bei
ihren Aktionen keine Menschen zu gefährden, hieß es. Bei den Betroffenen
handelt es sich nach den Angaben der Anti-Atom-Initiativen um Personen,
die an früheren Mahnwachen vor dem Atomkraftwerk Philippsburg beteiligt
gewesen und deshalb in «Spezial-Dateien» der Polizei erfasst seien. Die
Maßnahmen gegen sie seien «willkürlich» und «rechtswidrig».
Polizei und Staatsanwaltschaft erhoffen sich indes zusätzliche
Informationen aus der Rekonstruktion der Metallplatte, über die der Zug
gefahren war. Die in Dutzende Teile zerfetzte, ursprünglich etwa 2,5 mal
1,25 Meter große Aluminiumplatte wurde von der zehnköpfigen
Ermittlungsgruppe «Schiene» inzwischen zusammengesetzt. Die Aufschrift
könnte Hinweise auf die Herkunft der Platte erbringen. Auf dem Blech sind
auf schwarzer Grundfarbe die mit Silberfolie aufgeklebten Buchstaben
«....BERG» und «...mmunication» zu lesen. Laut Polizei könnte es sich um
eine Werbetafel handeln.
31.10.2003 Ster