[älterer Artikel][Neuerer Artikel][Übersicht][

HN-St: "Da hängen Arbeitsplätze dran. Und die sind wichtig"



Heilbronner Stimme, 25.10.03

> "Da hängen Arbeitsplätze dran. Und die sind wichtig"

Von Simon Gajer 

Im November beginnen die Bauarbeiten. Das Kernkraftwerk in Neckarwestheim 
bekommt ein Atommüll-Zwischenlager. Aber was halten Anwohner von den 
Castor-Tunnels? Wir hörten uns in umliegenden Gemeinden um.

"Was sollen wir schon dagegen machen?", fragt sich Else Gräfe aus 
Neckarwestheim. "Ist doch schon zu spät." Doch die 60-Jährige ist nicht 
nur skeptisch. Sie betrachtet das Kraftwerk, schaut, wie Strom erzeugt 
wird, und dabei ist ihr klar: Dass Brennstäbe abklingen müssen, damit 
hätte man rechnen und sich mit ihrer Entsorgung schon vorher beschäftigen 
müssen. Sie sei zwar Anwohnerin, dennoch sei ein zwischenlagerfreies 
Kraftwerk am Neckar nicht besser: "Man kann unseren Dreck auch nicht 
anderen Bürgern bringen."

Lorena Schneider aus Ilsfeld glaubt ebenfalls nicht, dass man das 
Zwischenlager jemals hätte vermeiden können. Für die 48-Jährige steht 
fest, dass die Verantwortlichen sich gegen jeden Widerstand durchgesetzt 
hätten: "Das Lager wird doch so gemacht, wie sie es wollen", sagt sie. 
Allerdings hat sich Lorena Schneider mit dem Kernkraftwerk in ihrer 
Nachbarschaft abgefunden. Und zwar schon vor Jahren. "Die Atomkraftwerke 
sind sicher", betont sie. Nicht nur das: "Ich fühle mich sicher." Es 
könne doch kaum etwas passieren - "bei all den Bestimmungen in 
Deutschland".

Und wenn doch etwas passiert?, fragt sich jedoch Brigitte Kranzler. 
"Alles Schicksal", beantwortet sich die Talheimerin ihre Frage selbst. 
Trotz dieser Ernstfall-Sorgen hat sich die 58-Jährige mit dem 
Stromnachbarn abgefunden. "Ich kann damit leben." Das Zwischenlager 
schockiert sie nicht. Brigitte Kranzler sagt: "Ich habe damit gerechnet."

Für Ines Frosina aus Neckarwestheim hat das Zwischenlager-Thema zwei 
Seiten. Einerseits steht für sie fest: Das Endlager in Gorleben ist 
besser als ein Zwischenlager in ihrer Gemeinde. Der Vorteil der Stätte im 
Norden der Republik: "Dafür hat man schon Geld ausgegeben", sagt sie. 
Andererseits kann die 37-Jährige mit dem neuen Bau in Neckarwestheim 
leben. "Die Brennstäbe müssen ja irgendwo gelagert werden."

Kristian Dankel ist sich nicht sofort sicher, was er von der 
Zwischenlagerstätte halten soll. "Sie ist so eine Sache", sagt der 25-
Jährige aus Talheim. Sicher, betont er, er könne darauf verzichten. Doch 
auf ihn komme es nicht an. "Da hängen Arbeitsplätze dran. Und die sind 
wichtig." Also lieber ein Lager am Kernkraftwerk bauen, als die Stäbe 
"durch ganz Europa schippern ".

Rosemarie Böhringer will die Brennstäbe hingegen los werden. Ein 
Zwischenlager lehnt die 62-Jährige aus Ilsfeld ab. Wegen der Risiken. Sie 
fürchtet, dass mehr Menschen ein Krebsleiden bekommen. Ohnehin sei die 
Krebsrate in der Gegend schon hoch, behauptet sie.

Kritik kommt auch von Karl Matt aus Ilsfeld. "Ich bin dagegen" , wettert 
der 65-Jährige gleich los. Mit einem Zwischenlager habe er schon lange 
gerechnet. Nun kommt es in einem Monat. "Ich habe aber kein gutes Gefühl 
dabei."

25.10.2003