dpa: Neckarwestheim - Diskussion um Zwischenlager
DPA, 14.10.03
> Neckarwestheim
> Diskussion um Zwischenlager
Neckarwestheim/Gemmrigheim - Der Bau des Atom- Zwischenlagers in
Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) ist nach Angaben der Bürgermeisterin der
Nachbargemeinde Gemmrigheim (Kreis Ludwigsburg), Monika Tummescheit,
nicht mehr aufzuhalten.
"Ich gehe davon aus, dass der Landrat demnächst die Genehmigung erteilen
wird - dann beginnt der Bau, auch wenn die Gemeinde weiter gerichtlich
vorgeht", sagte Tummescheit am Dienstag.
Vom diesem Mittwoch bis zum 28. Oktober liegt die atomrechtliche
Genehmigung für das Zwischenlager in den Gemeinden Gemmrigheim und
Neckarwestheim aus. Jeder Bürger kann Einspruch einlegen und ein
Gerichtsverfahren anstrengen. Wenn der Landrat aber die baurechtliche
Genehmigung erteilt habe, dann starte der Bau ungeachtet aller
Gerichtsverfahren, sagte Tummescheit.
Der Rechtsstreit um das Zwichenlager tobt schon seit dem Jahr 2000; im
Sommer war Gemmrigheim in der letzten Instanz - vor dem
Bundeverwaltungsgericht in Leipzig - gescheitert. Der Streit entzweite
auch die Bürgermeisterin und den Gemeinderat. "Ich musste dem
rechtswidrigen Beschluss des Rates, dem Bau weiter nicht zuzustimmen,
widersprechen - sonst hätte ich persönlich für mögliche Schäden
gehaftet", sagte Tummescheit. Das Gericht hatte Gemmrigheims Klage zwar
abgeschmettert, jedoch mit dem Zusatz, dass dem Gemeinderat eine
Umweltverträglichkeitsprüfung vorgelegt werden solle. Auch nach dieser
hatte der Rat den Bau abgelehnt - nach Ansicht von Tummescheit ein
rechtswidriger Beschluss.
Danach ging die Entscheidung auf das Landratsamt über. Dieses habe
gedroht, die baurechtliche Genehmigung zu erteilen, wenn sich Gemmrigheim
weiter sträube, da mit jedem verstrichenem Tag Schadenserstzforderungen
der Kraftwerksbetreiber ins Haus stünden, erläuterte Tummescheit. Die
atomrechtliche Genehmigung erfolgte Mitte September durch das Bundesamt
für Strahlenschutz.
Die Diskussion im Gemmrigheimer Gemeinderat sei inzwischen emotionslos,
sagte Tummescheit. Der Bau habe von Anfang an nicht verhindert werden
können; deshalb sei das Vorgehen Gemmrigheims ein Spiel auf Zeit gewesen.
"Wir haben dagegen gekämpft, weil wir befürchten, dass aus dem
Zwischenlager ein heimliches Endlager wird", sagte Tummescheit. Sie
vermutet aber, der Gemeinderat könnte bei der kommenden Sitzung im
November eine neue Klage gegen die Entscheidung des Landrates
beschließen. Sie wolle davon abraten, denn dieses aussichtlose Verfahren
würde nur Gerichtskosten verursachen.
Die Kraftwerksbetreiber hatten mit einem Baubeginn noch im September
gerechnet. Das Zwischenlager soll bis 2006 stehen. Rund 150
Castorbehälter sollen darin Platz finden. Die Kosten werden auf 30
Millionen Euro geschätzt.
dpa/lsw
14.10.2003