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TAZ: Der atomare Wendehals



TAZ, 30.09.03

> Der atomare Wendehals

Bruno Thomauske genehmigte sieben Atommüll-Zwischenlager. Jetzt ist er 
Prokurist bei Vattenfall. Anti-Atom-Bewegung fordert, die erteilten 
Genehmigungen zu revidieren

BREMEN taz Sein Gesicht dürfte vielen AKW-AnliegerInnen noch vom 
Erörterungstermin in Erinnerung sein. Als Leiter der Projektgruppe beim 
Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter, in deren Hand die 
Genehmigung geplanter Atommüll-Zwischenlager an den AKW-Standorten liegt, 
reiste Bruno Thomauske in den letzten zwei Jahren durch die Republik. 
Zigtausende von Einwänden gegen die Castor-Hallen hatten deren 
GegnerInnen vorgebracht: Unzureichender Schutz gegen Terror, keine Filter 
in den Lüftungsschlitzen, kein definierter Zeitpunkt, zu dem der 
abgestellte Atommüll weggebracht werde. Bruno Thomauske diskutierte, 
erörterte - und genehmigte. Für sieben Castor-Hallen gab das BfS bisher 
sein Okay.

Jetzt hat Thomauske die Seiten gewechselt. Statt bei der Aufsichtsbehörde 
BfS arbeitet er ab sofort als Prokurist bei Vattenfall Mining und 
Generation und der Vattenfall-Tochter Hamburgische Electricitäts-Werke AG 
(HEW). Die betreibt zusammen mit E.ON unter anderem die AKWs Brunsbüttel, 
Krümmel, Brokdorf und Stade. "Ein ganz normaler Wechsel", sagt BfS-
Sprecher Volker Schäfer.

Die Gegner der Zwischenlager sehen das anders. Sie werfen Thomauske 
Befangenheit vor. Eine "heiße Zelle" an jedem Zwischenlager etwa, in der 
defekte Castor-Behälter repariert werden könnten, habe er abgelehnt, sagt 
Helga Rinsky von der "Aktion Z" gegen das Zwischenlager am AKW 
Unterweser. Thomauskes Argument: Die Sicherheitseinrichtung sei den AKW-
Betreibern aus Kostengründen nicht zumutbar. Und das BfS-Gutachten zur 
angeblichen Flugzeugabsturz-Sicherheit, so Rinsky, habe den in Bau 
befindlichen Airbus 380, der doppelt so viel Kerosin wie heutige Flieger 
tanken könne, schlicht nicht berücksichtigt. Die unter Thomauskes Ägide 
erteilten Genehmigungen müssten daher gekippt werden.

Man habe Thomauske sofort mit anderen Aufgaben betraut, als dieser die 
Behörde im Sommer über seinen bevorstehenden Wechsel in die 
Atomwirtschaft informierte, heißt es im BfS. Der Hamburger Rechtsanwalt 
Ulrich Wollenteit, der im Auftrag von BUND und Bürgerinitiativen eine 
Klage gegen die Zwischenlager im niedersächsischen Grohnde und Lingen 
vorbereitet, lässt das nicht gelten. Wer nämlich einen lukrativen 
Prokuristen-Posten bei einem Konzern wie Vattenfall übernehme, ist 
Wollenteit überzeugt, habe das "von langer Hand vorbereitet". Und 
Gelegenheit dazu dürfte Thomauske im Zuge der Genehmigungsverfahren genug 
gehabt haben. "ARMIN SIMON

taz Nr. 7170 vom 30.9.2003, Seite 9, 84 Zeilen (TAZ-Bericht), ARMIN SIMON