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StZ: Atomexperte unter Druck



Stuttgarter Zeitung, 27.09.03

> Atomexperte unter Druck
> Opposition will Keil ablösen
 
STUTTGART. Die Pannen im Kernkraftwerk Philippsburg müssen nach Meinung 
der Opposition personelle Konsequenzen haben: Umweltminister Ulrich 
Müller (CDU) solle den Chef seiner Atomaufsicht, Dietmar Keil, ablösen, 
fordern SPD und Grüne.

Von Andreas Müller

Zu einem gemeinsamen Votum konnten sich die beiden Oppositionsfraktionen 
nicht durchringen. Doch aus der Arbeit des Untersuchungsausschusses zur 
Atomaffäre ziehen sie die gleiche Schlussfolgerung: Der Leiter der 
Abteilung Reaktorsicherheit im Umweltministerium, Dietmar Keil, müsse 
sofort von seinen Aufgaben entbunden werden. Begründung: die Atomaufseher 
hätten bei den Sicherheitsverstößen in Philippsburg im Sommer 2001 
"völlig versagt".

Der SPD-Fraktionschef Wolfgang Drexler wertete es gestern als richtig, 
den Untersuchungsausschuss gegen den Willen aller anderen Fraktionen 
durchgesetzt zu haben. Nur so habe man "das ganze Ausmaß des Versagens 
der Atomaufsicht" ans Licht bringen können. In der anderthalbjährigen 
Arbeit des Gremiums habe sich gezeigt, dass in der Atomaufsicht des 
Umweltministeriums "organisierte Verantwortungslosigkeit" und ein 
unglaubliches "Informationschaos" geherrscht hätten, sagte Drexler. 
Umweltminister Müller habe dabei eine fatale Rolle als "Büttel des 
Betreibers" gespielt. Sein Chefkontrolleur Keil habe - entgegen eigener 
Darstellung - "nichts erkannt und alles verschlafen". Der 
Abteilungsleiter sei "seiner Aufgabe nicht gewachsen" und müsse abgelöst 
werden.

Auch die Grünen nahmen Keil erneut ins Visier. Er gehöre ebenso abgelöst 
wie der Chef des für Philippsburg zuständigen Referats, sagte der 
Abgeordnete Walter Witzel. Die Fraktion wirft dem Abteilungsleiter unter 
anderem vor, er habe den Landtag falsch über die Abläufe im Ministerium 
informiert. Entgegen Keils Darstellung sei die Stuttgarter Behörde sehr 
wohl frühzeitig vom Bundesumweltministerium auf den Sicherheitsverstoß in 
Philippsburg hingewiesen worden. Nach den Worten Witzels hat der 
Untersuchungsausschuss wenig Neues erbracht. Das Versagen der 
Atomaufsicht sei schon zu Beginn der Arbeit offenbar gewesen; die Grünen 
hatten sich bei der Einsetzung des Gremiums deshalb der Stimme enthalten.

Die CDU-Fraktion wies die Forderung, Keil abzulösen, scharf zurück. Das 
Umweltministerium habe "schnell und verantwortlich gehandelt", sagte der 
Abgeordnete Peter Hauk. Mangelhaft sei dagegen die "Sicherheitskultur" 
des Kraftwerksbetreibers gewesen. Die FDP-Abgeordnete Heiderose Berroth 
wertete die Ausschussarbeit als Zeitverschwendung: Die Sitzungen hätten 
ihr "viel Zeit genommen, die ich lieber mit meiner Familie verbracht 
hätte".
 
Aktualisiert: 27.09.2003, 05:05 Uhr