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StZ: Grüne: Neues Atomkraftwerk wäre eine Kriegserklärung



Stuttgarter Zeitung, 27.09.03

> Hitziger Streit um Strom
> Grüne: Neues Atomkraftwerk wäre eine Kriegserklärung
 
STUTTGART. Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Annette Schavan 
will über ein neues Kernkraftwerk im Südwesten diskutieren. Die Grünen 
bezeichnen dies als Kriegserklärung und Abkehr von den Zielen des 
Klimaschutzes. Sie wollen einen Energiemix.

Von Renate Allgöwer

Regierung und Opposition streiten heftig um die Energiepolitik. 
Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) hat sich nicht nur gegen die neuen 
Windräder in Freiburg gewandt, am Mittwoch erklärte er, die Option der 
Kernenergie müsse für die Zukunft gewahrt bleiben. Annette Schavan sagte 
gestern, man dürfe die Frage eines weiteren Kernkraftwerks im Land nicht 
tabuisieren.

Winfried Kretschmann, der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Landtag, 
nannte es "eine Kriegserklärung gegen uns, hier ein neues Atomkraftwerk 
bauen zu wollen". Teufel habe eine "aggressive Kampagne vom Zaun 
gebrochen". Kretschmann warf der CDU-FDP-Landesregierung vor, sie gebe 
ihr selbst gestecktes Ziel beim Klimaschutz auf. Das Land brauche bei der 
Stromerzeugung einen Mix aus erneuerbaren Energien. Dabei setzen die 
Grünen auf kleine dezentrale Einheiten und auf die Quellen Biomasse, 
Wasser, Wind, Sonne und Geothermie. Kretschmann bezeichnete die 
erneuerbaren Energien als Chance für den Mittelstand und als 
Exportpotenzial. Andreas Markowsky vom Bundesverband Windenergie sieht im 
Land "riesige Potenziale", das Investitionsklima sei aber "sehr 
schlecht".

Die Grünen verlangen von der Regierung eine Konzeption für die 
Stromversorgung bis 2020, wenn die Kernkraftwerke stillgelegt sein 
sollen, und einen Maßnahmenkatalog, wie der Anteil der erneuerbaren 
Energien an der Energieversorgung bis zum Jahr 2010 verdoppelt werden 
solle. Derzeit liegt der Anteil der Atomkraft an der Stromproduktion im 
Land bei 60 Prozent.

Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) hat den Vorwurf zurückgewiesen: 
"Wir geben unsere Klimaschutzziele nicht auf." Allerdings werde es aus 
finanziellen Gründen wohl nicht gelingen, den Anteil der erneuerbaren 
Energien an der Stromproduktion bis 2010 zu verdoppeln. Das Land könne 
die Subventionen nicht aufbringen, sagte Döring.
 
Aktualisiert: 27.09.2003, 05:05 Uhr