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StN: CDU drängt auf Wiedereinstieg in die Kernenergie



Stuttgarter Nachrichten, 27.09.03

> CDU drängt auf Wiedereinstieg in die Kernenergie
 
Grünen-Fraktionschef Kretschmann nennt Überlegungen der Landesregierung 
"eine Kriegserklärung"
 
Stuttgart - Im Schatten der Windkraftdebatte ist ein heftiger Streit um 
den Wiedereinstieg in die Kernenergie entbrannt. Überlegungen, wieder 
Atomkraftwerke zu bauen, nannte der Grünen-Fraktionschef Winfried 
Kretschmann "eine Kriegserklärung".

VON TORSTEN SCHÖLL

Markige Worte, die der Fraktionsvorsitzende der Grünen am Freitag in 
Stuttgart gewählt hat. Doch ohne Grund sind sie zum jetzigen Zeitpunkt 
offensichtlich nicht gefallen: Nachdem Ministerpräsident Erwin Teufel 
(CDU) am Mittwoch in Mannheim anlässlich der Einweihung eines neuen 
Biomasse-Kraftwerks ausdrücklich betont hatte, dass "der Ausstieg aus der 
Kernenergie ein grundlegender Fehler ist, der korrigiert werden muss", 
zog überraschend nun die CDU-Vize-Chefin Annette Schavan nach. Innerhalb 
der Energiedebatte, sagte Schavan, sollte auch über ein neues 
Atomkraftwerk in Baden-Württemberg nachgedacht werden. "Wer in der 
Energieversorgung unabhängig bleiben will", so Schavan, "darf die Frage 
des Standorts für ein weiteres Kernkraftwerk nicht tabuisieren." Im 
Entwurf des von der Landes-CDU geplanten Grundsatzprogramms "CDU 2012" 
heiße es dementsprechend: "Die Kernenergie ist und bleibt essenzieller 
Bestandteil eines ökonomisch effizienten Energiemixes."

Für Winfried Kretschmann und die Grünen, die nicht müde werden, dem 
Ausbau der Windkraft im Südwesten das Wort zu reden - und dafür immer 
heftiger kritisiert werden -, ist damit der energiepolitische Bogen 
überspannt. Überlegungen zum Ausstieg aus dem mühsam erkämpften 
Atomkonsens bezeichnete Kretschmann ungewöhnlich heftig als "klare 
Kampfansage" und sogar als "Kriegserklärung".

Der Fraktionschef betonte demgegenüber erneut, dass die Klimaschutzziele 
mittels eines konsequenten Ausbaus regenerativer Energieformen erreichbar 
seien. Das Zauberwort heiße "Energiemix". Dazu, so Kretschmann, sollen 
freilich nicht Atomkraftwerke beitragen, wohl aber mehr Windräder im 
Land.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen, so die Grünen, auch zwei 
Gutachterstudien, die die Landesregierung in Auftrag gegeben hatte. Um 
das Verdopplungsziel bei den regenerativen Energien bis 2010 zu 
erreichen, komme danach dem Ausbau des Biomasse-Stroms die größte 
Bedeutung zu (40 Prozent). Auf den Plätzen folgen die Wasserkraft (28 
Prozent), die Windenergie (22 Prozent), die Fotovoltaik (sechs Prozent) 
sowie die Geothermie (vier Prozent). Unabhängig davon, ob mehr Windräder 
zu einer "Verspargelung" der Landschaft führen, sollten bis 2010 
zusätzlich 400 Windräder im Südwesten installiert werden.

Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) hat sich unterdessen offenbar 
ganz von den ursprünglichen Klimaschutzzielen der Landesregierung 
verabschiedet. Diese seien bis 2010 nicht erreichbar. "Die Verdopplung 
erfordert Subventionen, die wir unter dem Diktat des Rotstifts nicht 
aufbringen können", sagte der FDP-Chef.
 
Aktualisiert: 27.09.2003, 05:06 Uhr