StN: "Atomlager rechtlich nicht zu verhindern"
Stuttgarter Nachrichten, 06.12.02
> "Atomlager rechtlich nicht zu verhindern"
Frau Tummescheit, Gemmrigheim ist gerade noch mal mit einem blauen Auge
davongekommen. Die Kosten für das Gerichtsverfahren fallen geringer als
erwartet aus. Sind Sie erleichtert?
Was die finanzielle Kostenbeteiligung bei dem verlorenen
Gerichtsverfahren angeht, bin ich außerordentlich erleichtert. Nicht
einmal unser Anwalt konnte eine Prognose abgeben, wie hoch der Streitwert
für dieses Verfahren angesetzt würde. Im schlimmsten Fall hätte der
Streitwert in Höhe der Baukosten gelegen, was für uns einen hohen
finanziellen Schaden bedeutet hätte.
Geben die Räte den Widerstand auf oder prozessieren sie nun erst recht
weiter?
Am 16. Dezember steht das Thema auf der Tagesordnung. Dann wird sich
zeigen, ob unser Anwalt Anhaltspunkte für eine Nichtzulassungsbeschwerde
sieht und uns empfiehlt, weiterzumachen. Ob der Gemeinderat angesichts
des doch geringen Prozessrisikos der Empfehlung des Anwalts folgen wird,
kann ich aus heutiger Sicht nicht sagen.
Welche Möglichkeiten hätte Gemmrigheim jetzt noch, das Projekt zu kippen?
Die letzte Möglichkeit wäre die Nichtzulassungsbeschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. Wenn dies ausgeschöpft ist, gäbe es noch die
Möglichkeit einer Klage gegen die atomrechtliche Genehmigung.
Rechnen Sie sich dabei Chancen aus?
Die einzige Chance, die ich noch sehe, ist die zeitliche Verzögerung.
Eine endgültige Verhinderung des Atommüllagers auf rechtlichem Weg ist
meines Erachtens aussichtslos.
Die Gemeinde hat schon beim Bau des Interimslagers eine Niederlage
kassiert. Sind die Gemmrigheimer unbelehrbar?
Die Kommunalpolitiker sind alle angetreten, um die Interessen der
Gemeinde zu vertreten. Wir sind alle mit der Politik der Zwischen-und
Endlagerung von Kernbrennstoffen nicht einverstanden und haben uns
politisch gegen den Zwischenlagerbau ausgesprochen. Der rechtliche
Ausgang der verlorenen Prozesse war absehbar. Manche Räte sind allerdings
der Meinung, alles rechtlich Zulässige auszuschöpfen.
Haben Kommunen generell Chancen, Atommülllager zu verhindern?
Der Bau von Atomlagern ist rechtlich verankert. Wie unsere verlorenen
Verfahren gezeigt haben, können auch die Gerichte nichts an dieser
rechtlichen Tatsache ändern.