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HN-St: Im November 2005 gehen KWO-Lichter aus



Heilbronner Stimme, 14.12.02

> Im November 2005 gehen KWO-Lichter aus

Von Peter Reinhardt und Joachim Kinzinger

Nach jahrzehntelangem Streit steht das Datum für die Abschaltung des 
Kernkraftwerks Obrigheim fest. Der älteste Reaktor geht spätestens am 15. 
November 2005, sechs Monate vor der Landtagswahl, vom Netz. 

Diesen Zeitplan fixiert ein öffentlich-rechtlicher Vertrag, auf den sich 
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Energie Baden-Württemberg 
(EnBW) geeinigt haben. Die EnBW kommentiert den Kompromiss zurückhaltend: 
"Zur Beseitigung der Ungewissheit und zur Vermeidung von 
Rechtsstreitigkeiten" sei der Vertrag " zweckmäßig". Die Vereinbarung zur 
Stilllegung ist für KWO-Sprecher Karlfried Theilig im Grunde nichts 
Neues. Seit Oktober sei bekannt, dass KWO den Betrieb 2005 einstellen 
müsse. Diese "herbe Enttäuschung " hätten die Beschäftigten schnell 
verarbeitet. 

Theilig: "Wir haben das Ziel, die uns zugewiesene Reststrommenge genau so 
sicher und zuverlässig zu erzeugen, wie die über 84 Milliarden 
Kilowattstunden, die KWO bisher produziert hat." 

"Das Jahr 2005 stand im Groben schon fest", meint Landratsreferent Jürgen 
Galm vom Neckar-Odenwald-Kreis. Jetzt müssten alle Möglichkeiten 
ausgelotet werden, "wie wir die die Geschichte kompensieren können". Im 
Klartext: Neue Arbeitsplätze ansiedeln. 

Dagegen freut sich der Chef der Landtags-Grünen, Winfried Kretschmann, 
dass "endgültig und unwiderruflich ein Schlussstrich unter das Kapitel 
AKW Obrigheim gezogen werden kann". SPD-Fraktionschef Wolfgang Drexler 
begrüßt den Vertrag ebenfalls: "Der Ausstieg ist keine Fata Morgana." Für 
FDP-Wirtschaftsminister Walter Döring ist die Abschaltung in drei Jahren 
ein "schmerzhafter Verlust". Er fordert von der Bundesregierung ein 
Konzept für die strukturschwache Region um Obrigheim. 

Auch das Land werde bei der Suche nach Alternativen behilflich sein. Seit 
Oktober hatten Trittin und EnBW-Vorstandschef Gerhard Goll um die 
Fixierung der Laufzeit gerungen. Nach Informationen der Heilbronner 
Stimme hatte Goll zunächst als Gegenleistung von Trittin mit Verweis auf 
die nun absehbare Abschaltung einen Verzicht auf die turnusmäßige 
Sicherheitsprüfung des Reaktordruckbehälters und weitere Garantien für 
den ungestörten Betrieb verlangt. Auch bei der Laufzeit wollte er einen 
größeren Spielraum: mindestens Ende 2005. 

Der Hintergrund sind wirtschaftliche Überlegungen: So sollen Revisionen, 
die bisher unter Zeitdruck im Drei-Schicht-Betrieb mit vielen 
Fremdbeschäftigten abgewickelt wurden, künftig kostengünstiger so weit 
wie möglich mit der KWO-Belegschaft und ohne Schichtzuschläge abgewickelt 
werden. 

Die im Oktober erzielte Grundsatzvereinbarung hatte die EnBW zeitlich 
nicht festgelegt. Sie regelt nur die Übertragung der Strommenge von 5,5 
Terrawattstunden vom Kraftwerk Philippsburg auf KWO. Vor allem auf Druck 
der Südwest-Grünen drängte Trittin auf einen festen Zeitpunkt für das 
Aus. Ursprünglich wollte Goll den Meiler bis über 2008 hinaus betreiben. 

14.12.2002