HN-St.: 18 Atom-Millionen zu Weihnachten
Heilbronner Stimme, 20.12.02
> 18 Atom-Millionen zu Weihnachten
Von Joachim Rüeck
Der Nikolaus hat für Neckarwestheim etwas ganz Besonderes im Sack: 18
Millionen Euro. Die Gewerbesteuer-Nachzahlung der Kernkraftwerk-
Muttergesellschaften lässt den Etat der Gemeinde auf Rekordniveau
anwachsen.
Neckarwestheims Kämmerer Walter Link steht im Ruf, die rosige
Finanzsituation seiner Kommune stets übervorsichtig zu beurteilen. Doch
was er am Mittwochabend bei der Einbringung des Haushalts in den
Gemeinderat sagte, ist wohl die schamloseste Untertreibung des Jahres:
"Wir haben eine ganz ordentliche Zuführungsrate." Ganz ordentlich
bedeutet bei ihm: 17,1 Millionen Euro fließen vom Verwaltungs- in den
Vermögenshaushalt. Zum Vergleich: Viele der umliegenden Gemeinden haben
eine Zuführung, die sich gerade einmal im fünfstelligen oder gar im
negativen Bereich bewegt.
Doch nicht genug der Rekorde. Der Gesamt-Etat des 3500-Einwohner-Ortes
wächst von 12,35 auf 49,1 Millionen Euro an.
Ende des kommenden Jahres hat die Kommune voraussichtlich mindestens 26
Millionen Euro in der Rücklage.
Von den Atom-Millionen profitiert allerdings nicht nur der Ort selbst:
2,7 Millionen Euro, so Bürgermeister Mario Dürr, werden allein im Jahr
2005 via Umlage in die Kasse des Landkreises Heilbronn fließen. Abzüglich
diverser Umlagen bleiben für Neckarwestheim von den 18 ohnehin "nur" noch
6,7 Millionen übrig. Das "nur" hat Kämmerer Link in seinem Vorbericht zum
Haushaltsplan immerhin in Anführungszeichen gesetzt.
Die fette Steuernachzahlung für die Gemeinde resultiert aus dem
Steuerentlastungsgesetz: Das führte zu rückwirkenden Auflösungen von
Stilllegungs- und Entsorgungsrückstellungen in den Steuerbilanzen der GKN-
Muttergesellschaften.
Seine eigenen Vorstellungen von Dankbarkeit gegenüber dem Groß-
Steuerzahler hat der CDU-Gemeinderat und frühere GKN-Chef Dr. Hans
Wiedemann.
Er plädiert dafür, die ohnehin recht geringe Gewerbesteuer in
Neckarwestheim weiter zu senken.
20.12.2002