StN: Wer bezahlt für Großeinsätze der Polizei?
Stuttgarter Nachrichten, 05.12.02
> Wer bezahlt für Großeinsätze der Polizei?
> Innenminister prüfen Kosten für Castor-Transporte - Grundsatzdebatte
erwartet
Stuttgart - Jeder kennt die Bilder: Wenn Castor-Transporte gen Gorleben
rollen oder Fußball-Fans in die Stadien pilgern, sind stets unzählige
Polizisten im Einsatz. Über die Frage, wer sie bezahlt, hat nun eine
brisante Debatte begonnen.
VON FRANK KRAUSE
Die Ministerpräsidenten waren sich eigentlich einig. Ende Oktober trafen
sie in Hamburg einen weit reichenden Beschluss: Eine Arbeitsgruppe solle
bis Ende dieses Jahres einen Vorschlag machen, wie die Kosten für die
Castor-Transporte nach Gorleben gerechter verteilt werden können. Bisher
trägt Niedersachsen als Standort die finanzielle Hauptlast für die
Fahrten quer durch Deutschland. In Zahlen: Die beiden Transporte im März
und November 2001 kosteten 28,5 sowie 31,5 Millionen Euro, das nördliche
Bundesland übernahm den Löwenanteil. Darin eingeschlossen: die Erstattung
an Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern, die ihre Polizisten zum
Schutz des Transports in Niedersachsen abstellen. Kosten: rund 14 Euro
pro Stunde und Mann. Da es sich um eine "Aufgabe von nationaler
Bedeutung" handele, sollten "die Länder künftig auf die Geltendmachung
dieser Kosten" verzichten, bittet Niedersachsen. Immerhin, so heißt es in
dem vertraulichen Papier, fordere der Bund die Gelder für den
Bundesgrenzschutz auch nicht mehr ein.
Doch so einfach wird das nicht. Wenn die Innenminister der Länder ab
heute in Bremen zusammenkommen, werden sie dem Auftrag ihrer
Regierungschefs nicht folgen. Statt dessen soll eine Arbeitsgruppe bis
Februar 2003 eine Lösung finden. Die Knackpunkte: In die Neuverteilung
sollen auch die Kosten einbezogen werden, die die Südländer selbst für
die Transporte haben, was allein in Baden-Württemberg mit jeweils bis zu
vier Millionen Euro zu Buche schlägt. Und: Es ist zu klären, ob die
Kosten in Zeiten klammer Kassen ab sofort nicht auf alle Bundesländer
verteilt werden sollten.
Insider sehen darin das berühmte Öffnen des Fasses. Nach dem Motto: Wer
bezahlt künftig den Schutz von Großveranstaltungen? Beispiel Fußball-WM
2006: "Den Polizeieinsatz für das Endspiel wird Berlin nicht allein
bezahlen wollen und sich darauf berufen, dass es eine gesamtdeutsche
Aufgabe ist", prognostizieren Experten weitere Debatten um
Lastenverteilungen. So oder so: Das Thema passt zur aktuellen
Spardiskussion der CDU-FDP-Landesregierung. Sie lässt derzeit die
"Polizeieinsätze im Rahmen kommerzieller Großveranstaltungen" prüfen. Ob
Rockkonzerte, Formel-1-Rennen oder Bundesliga-Spiele, die Veranstalter
sollen zahlen. Immerhin kostet der Polizeieinsatz für ein Heimspiel des
VfB Stuttgart schnell 40 000 Euro. Bisher haben die Vereine eine
Kostenbeteiligung abgelehnt.