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MaMo: Mit Rohr und Kette die Castoren gestoppt



Mannheimer Morgen, 13.11.02

> Mit Rohr und Kette die Castoren gestoppt
> Atomkraftgegner blockieren Transport auf der Riedbahnbrücke

Von unserem Redaktionsmitglied Roger Scholl

Zwei junge Männer aus Mannheim haben den bislang größten Castor-Transport 
nach Gorleben gestern Abend kurz nach 20 Uhr auf der Riedbahnbrücke zum 
Stehen gebracht. In einem unter den Schienen durchgesteckten Rohr ketten 
sie sich aneinander und verhinderten so eine Stunde lang die Weiterfahrt 
des Zuges zum Zwischenlager. Erst als Polizisten die Atomkraftgegner mit 
schwerem Werkzeug trennten, setzte sich der Zug wieder in Bewegung.

Stopp! Die Motoren der roten Diesel-Loks laufen leer, mitten auf der 
Riedbahnbrücke - bei Kilometer 4,8 - stehen die zwölf Castoren still, 
Blaulichter durchzucken die Nacht, Hunderte von Uniformierten auf den 
Gleisen, über der gespenstischen Szenerie kreist ein Hubschrauber. Zwei 
junge Männer liegen dicht an dicht auf den vom THW hell ausgeleuchteten 
Schienen, ein Polizeiarzt steht daneben, Sanitäter haben Decken über 
ihnen ausgebreitet, Trennschleifer kreischen, die Backen eines 
Bolzenschneiders beißen zu - dann sind die beiden Blockierer wieder frei. 
Allerdings nur für einen Augenblick - dann nehmen sie Beamte der Polizei 
fest - die nächtliche Protestaktion endet auf dem Polizeipräsidium.

Ihr Ziel haben sie erreicht, zusammen mit etwa 20 jungen Frauen und 
Männern bringen sie den Atomtransport zum Stehen. Schon gegen 19.45, als 
der Zug eigentlich die Mannheimer Gemarkung längst hätte verlassen 
sollen, machen drei der Demonstranten in Höhe der Theodor-Heuss-Anlage 
auf sich aufmerksam. Mit einem gelben Transparent - "Sofortige 
Stilllegung aller Atomanlagen" - rennen sie über die Gleise. Für die 
Begleitmannnschaften auf den Waggons ein Alarm-Signal, der riesige 
Lindwurm verlangsamt die Fahrt, das Katz- und Maus-Spiel hat begonnen. 
Noch zwei-, dreimal springen die drei über die Gleise, bis man 
schließlich die beiden Mannheimer auf der Brücke entdeckt.

Gut eine Stunde lang dauert dort der Einsatz, die Stimmung ist 
aufgeräumt, Demonstranten und Polizisten unterhalten sich, die beiden auf 
den Gleisen lächeln ihren Begleitern zu. Als dann um 21.22 Uhr die Diesel 
der Loks aufbrüllen und ein langer Stoß aus dem Signalhorn die Abfahrt 
ankündigt, sind acht junge Frauen und Männer aus Mannheim und der Region 
schon in den Polizeiwagen auf dem Weg ins Präsidium - Gewahrsamnahme. Die 
beiden Blockierer sitzen dort schon am Vernehmungstisch. Die Castoren 
rollen durch die Nacht, weiter Richtung Gorleben.

© Mannheimer Morgen   –   13.11.2002