MaMo: Castor-Blockierer wieder auf freiem Fuß
Mannheimer Morgen, 14.11.02
> Castor-Blockierer wieder auf freiem Fuß
> Größter Atommüll-Transport erreicht sein Etappenziel / Heute
Weiterfahrt nach Gorleben
Mannheim/Dannenberg. Trotz zahlreicher Störaktionen durch Atomkraftgegner
- unter anderem auch in Mannheim - hat der Castor-Transport aus
Frankreich gestern nach 45 Stunden Fahrt sein Etappenziel Dannenberg in
Niedersachsen erreicht. Die zwölf Atommüllbehälter sollten dort auf
Tieflader umgesetzt werden. Außerdem wird an den Behältern ein
umfangreiches Messprogramm vorgenommen. Sie werden voraussichtlich heute
die Fahrt ins rund 20 Kilometer entfernte Zwischenlager Gorleben
antreten. Atomkraftgegner haben Straßenblockaden angekündigt.
Anders als bei früheren Castor-Frachten blockierten Atomkraftgegner
diesmal bereits weit vor dem niedersächsischen Wendland den Zug. In
Mannheim und in der Nähe von Verden in Niedersachsen hatten sich jeweils
zwei Atomkraftgegner an den Armen in Rohren unterhalb der Gleise
angekettet. Sitzblockaden gab es zuvor auch in Göttingen und bei
Nienburg.
Nach ihrer spektakulären Nachtaktion auf der Riedbahnbrücke in Mannheim
haben die beiden 25 und 30 Jahre alten Mannheimer, die sich am
Dienstagabend an die Schienen gekettet und so den Castor-Transport eine
Stunde lang gestoppt hatten (wir berichteten), ihre Bewegungsfreiheit
wieder. Die Atomkraftgegner konnten gestern in den frühen Morgenstunden
das Polizeipräsidium verlassen und sich in ihren eigenen Betten schlafen
legen.
Nach den Vernehmungen und der Feststellung ihrer Personalien schickte die
Polizei die Blockierer nach Hause, da keine Haftgründe vorlagen. Gegen
die jungen Männer laufen aber weiterhin strafrechtliche Ermittlungen
wegen des Verdachts des Eingriffs in den Bahnbetrieb und wegen Nötigung.
Auch die acht anderen Demonstranten - sechs Frauen und zwei Männer aus
Mannheim, Edingen, Heidelberg, Schifferstadt, Trier und Biberach - wurden
noch in der Nacht aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Unter ihnen ist
auch eine 16-Jährige aus Mannheim, die schon kurz nach Mitternacht von
ihrem Vater im Präsidium abgeholt wurde.
Im vergangenen Jahr waren 13 Greenpeace-Aktivisten aus ganz Deutschland
vom Mannheimer Amtsgericht zu Geldstrafen und gemeinnütziger Arbeit
verurteilt worden. Sie hatten sich am 23. April 2001 beim Mannheimer
Rangierbahnhof an die Gleise gekettet und so einen Castor-Transport ins
englische Sellafield drei Stunden lang blockiert. scho/dpa
© Mannheimer Morgen – 14.11.2002