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LKZ: Rat vertagt seine Entscheidung



LKZ, 20.11.02

> Rat vertagt seine Entscheidung
> Urteil zu Atommülllager noch nicht auf dem Tisch

GEMMRIGHEIM

(cb) - Nichts Neues In Sachen GKN-Zwischenlager. In seiner Sitzung vom 
Montag vertagte der Gemeinderat die Entscheidung über das weitere 
Vorgehen der Gemelnde nach dem Urteil des baden-württembergischen 
Verwaltungsgerlchtshofes (VGH) in Mannheim.

"Das Urteil liegt uns noch nicht auf dem Tisch", sagte Bürgermeisterin 
Monika Tummescheit zu Beginn der Beratungen. Am 16. Oktober 2002 hatte 
das Verwaltungsgericht das von der Gemeinde verweigerte Einvernehmen zum 
Bau des GKN-Zwischenlagers für rechtswidrig erklärt. Eine Revision ließ 
das Gericht nicht zu.

Bau schon im nächsten Jahr

Damit können die Kraftwerksbetreiber möglicherweise schon im nächsten 
Jahr mit dem Bau des umstrittenen Zwischenlagers zur Lagerung 
abgebrannter Brennelemente beginnen. Gemeinderat Jörg Frauhammer (SPD), 
der Monika Tummescheit in Mannheim als zweiter stellvertretender 
Bürgermeister vertrat, berichtete am Montagabend, der Sitzungsverlauf sei 
von vornherein sehr viel offener gewesen als beim letzten Verfahren. 
"Erstmal war gar nicht klar, wo der Hase hinläuft", so Frauhammer.

Außerdem hätten sich die Rich-ter in der Verhandlung nicht nur zum 
Verhalten der Gemmrigheimer kritisch gezeigt. Auch das 
Wirtschaftsministerium und das Landratsamt seien nicht ungeschoren 
davongekommen.

Lessow übt Kritik an Ratskollegen

Bereits am Anfang der Ratsversammlung hatte der Gemeinderat und erste 
stellvertretende Bürgermeister Martin Lessow (FWV) eine Erklärung zum 
Thema "Zwischenlager" verlesen. Bisher habe er sich zu dieser Frage immer 
bedeckt gehalten und für befangen erklärt.

Lessow ist noch bis Ende Dezember 2002 Leiter des GKN-
Informationszentrums. Nun fühle er sich angesichts der aktuellen 
Entwicklung doch berufen, ein Wort an seine Ratskollegen zu richten.

"Demo war nicht abgestimmt"

Zunächst äußerte er sein Unverständnis darüber, dass die Gemmrigheimer 
Demo gegen das Zwischenlager vom Sonntag, den 10. November 2002 nicht mit 
dem örtlichen Kalender abgestimmt worden ist. An diesem Tag fand 
bekanntlich das evangelische Gemeindefest statt", erinnerte Lessow.

Sein zweiter Einwand betraf die Presseerklärung "der Mehrzahl der 
Gemeinderäte", die Sven Herold (CDU) anlässlich der Demo abgab. "Diese 
enthält Formulierungen, von denen ich nicht annehme, dass sie tatsächlich 
so von der Mehrheit der Gemeinderäte getragen werden", mutmaßte Vize-
Bürgermeister Lessow und setzte noch eins drauf- "Wenn beabsichtigt ist, 
in Zukunft einem Gemeinderat beispielsweise Herrn Herold - eine Vollmacht 
für solche Presseerklärungen zu erteilen, beantrage ich, darüber in einer 
der nächsten Sitzungen abzustimmen", so Lessow im Wortlaut. Es sei doch 
nahe liegender, jeder stehe mit seiner Unterschrift lediglich für sich.

"Zuverlässiger Strornlieferant"

In seiner Erklärung hatte Sven Herold verlautbart, der Kampf sei nicht 
umsonst gewesen und man wolle auch weiterhin alle demokratischen Mittel 
ausschöpfen. "Das GKN ist ein zuverlässiger Stromlieferant, eines der 
sichersten Kernkraftwerke der Welt und einer der wichtigsten Arbeitgeber 
in unserer Gemeinde. In der erwähnten Presseerklärung geht es nicht mehr 
nur um das Zwischenlager. Sondern es wird der Betrieb des GKN im Ganzen 
angegriffen und infrage gestellt", gab Martin Lessow abschließend zu 
bedenken.