AFP: Lothringen: Test für Atommüll-Endlager geht weiter
AFP, Freitag 22. November 2002, 11:57 Uhr
> Lothringen: Test für Atommüll-Endlager geht weiter
Bure (AFP) Die nach zwei Arbeitsunfällen gestoppten Bohrungen für das in
Ostfrankreich geplante mögliche Atommüll-Endlager dürfen wieder
aufgenommen werden. Das entschied das Gericht im lothringischen Bar-le-
Duc. Die beiden Bohrtürme waren im Juni per Gerichtsbeschluss wegen
erheblicher Sicherheitsmängel stillgelegt worden, nachdem im Mai ein
Arbeiter in einem der Schächte von einem 400 Kilo schweren Belüftungsrohr
erschlagen worden war. Bereits im vergangenen Dezember wurde im gleichen
Schacht ein Arbeiter bei einem Sturz aus elf Metern verletzt.
Die für die Bohrarbeiten zuständige französische Baufirma Bouygues
Travaux Publics und die französische Atommüllgesellschaft ANDRA sicherten
unterdessen zu, die Baustelle solle besser abgesichert werden. Außerdem
kündigten sie eine gründliche Schulung der beteiligten Arbeiter an. Nach
Angaben der ANDRA werden die eigentlichen Probebohrungen vermutlich erst
im Februar fortgesetzt.
Auf dem Gelände bei dem Dörfchen Bure soll offiziellen Angaben zufolge
zunächst die Lagerung abgebrannter Kernbrennstäbe in einem unterirdischen
"Labor" getestet werden. Dieses "Labor" soll in 490 Meter Tiefe in einer
Lehmschicht fertiggestellt werden - nach ursprünglicher Planung bis 2004.
Der ANDRA zufolge soll erst nach einer mehrjährigen Testphase entschieden
werden, ob an diesem Standort das erste französische Endlager für
hochradioaktiven Atommüll gebaut wird.
Umweltschützer fürchten jedoch, dass die Standortentscheidung für Bure
bereits gefallen ist. Sie verweisen darauf, dass die Pariser Regierung
auf ursprünglich geplante Probebohrungen an anderen Standorten verzichtet
hat und das Land, das mehr als zwei Drittel des Stroms mit Kernkraft
produziert, dringend ein Endlager benötigt.