StN: Größter Castor-Transport steht bevor - 10000 Polizisten im Einsatz
Stuttgarter Nachrichten, 07.11.02
> Karnevalsumzug zum Protest
> Größter Castor-Transport steht bevor - 10000 Polizisten im Einsatz
Hannover - Die Polizei fährt ihre Einsatzstärke zurück; die
Atommüllgegner setzen auf kleine Aktionen statt auf Massenproteste. In
der nächsten Woche sollen zwölf Castor-Behälter mit abgebrannten
Brennelementen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague
ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben rollen.
Von unserem Korrespondenten
PETER MLODOCH, Hannover
"Wir setzen auf Qualität statt auf Quantität", sagte Francis Althoff von
der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg. 3000 Demonstranten erhofft die
Initiative am Samstag bei der großen Auftaktkundgebung direkt am
Zwischenlager.
Mit viel Witz und neuen Aktionsformen soll der Protest, der die trotz des
Atomkonsenses ungelöste Endlagerfrage im Mittelpunkt hat, bundesweiten
Widerhall finden. Entlang der Straßenstrecke zwischen der Umladestation
Dannenberg bis zum Zielort Gorleben sind unter dem Motto "Das Wendland
wird verrückt" fiktive Dorfneugündungen ("Neu Obrigkeitsheim") mit
Bürgermeisterwahlen und Kneipeneröffnungen geplant. Am 11. November, wenn
der bislang größte Castor-Transport aus der französischen
Wiederaufarbeitungsanlage La Hague voraussichtlich Deutschland erreicht,
gibt es in Dannenberg um Punkt 11.11 Uhr einen Karnevalsumzug. Titel:
"Castor Alaaf und Helau, de Zoch kütt?"
Trotz des allgemeinen Demonstrationsverbots in einem 150 Meter breiten
Korridor entlang der Strecke haben die Behörden ihr Einverständnis
signalisiert. Mehr noch: "Karnevalsmasken werden wir nicht als Verstoß
gegen das Vermummungsverbot werten", sagte Gesamteinsatzleiter Hans
Reimer. Entspannt verkündete der Polizeidirektor, dass er erheblich
weniger Beamte im Einsatz haben wird. 15 000 Einsatzkräfte waren es vor
einem Jahr; schätzungsweise 10 000 dürften es diesmal sein.
Viel zu tun hatten die Beamten bislang nicht. Von Vorrichtungen wie 2001,
als sich Atomkraftgegner unter den Schienen einbetoniert hatten, keine
Spur. Eine Zurückhaltung der Protestierer machte auch
Regierungspräsidentin Birgit Honé aus. "Es zeichnet sich ab, dass die
Teilnehmerzahlen eher gering ausfallen."
Aktualisiert: 07.11.2002, 06:06 Uhr