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SZ: Erstes Zwischenlager bei Atomkraftwerk genehmigt



Süddeutsche Zeitung, 08.11.02

> Baustein der rot-grünen Ausstiegspolitik 
> Erstes Zwischenlager bei Atomkraftwerk genehmigt 

Neuer Standort am Meiler Emsland für 40 Jahre ausgelegt / Innerdeutsche 
Mülltransporte sollen verringert werden 


Von Jeanne Rubner 

München – Das erste Zwischenlager an einem laufenden Kernkraftwerk ist 
genehmigt. Am Donnerstag billigte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) 
in Salzgitter den Bau eines Lagers für abgebrannte Brennelemente am 
Standort des Kernkraftwerks Emsland in Lingen. Bundesumweltminister 
Jürgen Trittin (Grüne) wertete die Genehmigung als „wichtiges Ziel der 
Vereinbarung zwischen der Regierung und den 
Energieversorgungsunternehmen“. Die Entsorgungslasten würden gerechter 
zwischen den Bundesländern verteilt und die zentralen Zwischenlager Ahaus 
und Gorleben entlastet. Die Genehmigung kommt wenige Tage vor der für 
Montag geplanten Wiederaufnahme von Atommüll-Transporten aus der 
französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben. 

Neben Gorleben und Ahaus waren bislang nur drei so genannte Interimslager 
an den Standorten Biblis, Neckarwestheim und Philippsburg genehmigt oder 
bereits in Betrieb. Allerdings dürfen sie nur für maximal acht Jahre 
Brennelemente aufnehmen. Die auf 40 Jahre ausgelegten Zwischenlager an 
Kernkraftwerken sind ein wichtiger Baustein im Ausstiegskonzept der rot-
grünen Koalition. Denn mit ihnen lassen sich innerdeutsche 
Atommülltransporte vermeiden. Von 2005 an soll nur noch strahlender 
Abfall transportiert werden, der aus ausländischen 
Wiederaufarbeitungsanlagen zurückgenommen werden muss. Derzeit laufen 
Verfahren für elf weitere Zwischenlager-Standorte, die bis Ende 2003 
genehmigt sein sollen. Bis zum Ablauf der 40-Jahres-Frist für die 
Zwischenlager, so hofft die Bundesregierung, wird es in Deutschland ein 
Endlager geben. 

Letzter Streitpunkt bei der Genehmigung des Zwischenlagers in Lingen war 
die Sicherheit bei einem gezielten Flugzeugabsturz – einem Szenarios 
also, das seit dem 11. September 2001 als nicht mehr unwahrscheinlich 
gilt. Gutachter waren bereits vor einigen Wochen zum Schluss gekommen, 
dass bei einem Angriff mit einer großen Passagiermaschine keine Gefahr 
für die Bevölkerung entsteht. Selbst bei diesem extremen Szenario seien 
keine unzulässigen Strahlungsmengen zu befürchten, sagte BfS-Präsident 
Wolfram König. 

In der Halle auf dem Kraftwerksgelände in Lingen sollen bis zu 125 Castor-
Behälter lagern, geschützt von 1,3 Meter dicken Stahlbetonwänden. Den 
eigentlichen Schutz bei einem Flugzeugabsturz bieten allerdings die 
Castor- Behälter selbst, die sowohl den extremen mechanischen als auch 
thermischen Belastungen standhalten sollen. Insgesamt 1250 Tonnen 
radioaktives Material darf in Lingen deponiert werden; ursprünglich 
wollte der Betreiber, die Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH, 1500 Tonnen 
unterbringen.