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StZ: Verfahren gegen Marie eingestellt - Neuer Großtransport



Stuttgarter Zeitung, 02.11.02

> Straffreie Castor-Blockade
> Verfahren gegen Marie eingestellt - Neuer Großtransport
 
HANNOVER/DANNEBERG (AP/dpa). Die 17-jährige Schülerin Marie, die sich vor 
eineinhalb Jahren bei einem Castor-Transport angekettet hatte, wird nicht 
bestraft. Gegen ein Demonstrationsverbot vor neuen Transporten wachsen 
hingegen die Proteste.

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Dannenberg entschied der 
Jugendrichter am Donnerstag, das Strafverfahren gegen die Gymnasiastin 
aus Lüchow gegen eine Arbeitsauflage einzustellen. Sie müsse aus 
erzieherischen Gründen lediglich 50 Stunden gemeinnützige Arbeit in einem 
Krankenhaus leisten, sagte der Richter.

Die knapp hundert Atomkraftwerk-Gegner und Freunde der Schülerin, die 
sich zu dem Prozess eingefunden hatten, reagierten mit Jubel auf die 
Einstellung des Verfahrens. Auch Marie selbst, die sich bei Temperaturen 
unter dem Gefrierpunkt mit einem Arm in einem Betonklotz festgekettet und 
den Transport nach Gorleben mehr als 16 Stunden aufgehalten hatte, war 
mit dem Ausgang des Verfahrens sehr zufrieden. Die Staatsanwaltschaft 
hatte der Schülerin Nötigung und Störung öffentlicher Betriebe 
vorgeworfen. Nach Zureden des Jugendrichters habe sie der Einstellung 
zugestimmt. Die Umweltorganisation Robin Wood, die an der Blockadeaktion 
beteiligt war, wertete die Einstellung des Verfahrens als gutes Zeichen 
für den Protest gegen Atommülltransporte.

Unterdessen hat die Grünen-Fraktion des niedersächsischen Landtags das 
wegen des nächsten Castor-Transports nach Gorleben verhängte 
Demonstrationsverbot kritisiert und Unterstützung für Proteste gegen die 
Atommüll-Anlieferung bekundet. Fraktionschefin Rebecca Harms erklärte, 
das ab 9. November an der Transportroute von Lüneburg bis Gorleben 
geltende Versammlungsverbot sei eine generelle Diffamierung der 
Demonstranten. Damit werde geleugnet, dass es einen breiten gewaltfreien 
Bürgerprotest gegen die Transporte gebe.

In der Verbotsverfügung werde unterstellt, dass gewaltfreie 
Demonstrationen und Aktionen, an den sich im Landkreis Lüchow-Dannenberg 
seit Jahren tausende Bürger beteiligten, nur als Tarnung für 
gewaltbereite Aktionen geplant würden, kritisierte Harms. Dies 
verunglimpfe die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, die Landwirte aus 
der "Bäuerlichen Notgemeinschaft" und die Globalisierungsgegner-
Vereinigung Attac gleichermaßen. Selbst Protestaktionen auf 
Privatgrundstücken seien verboten. Die Anwohner der Transportstrecke 
dürften sich nicht einmal im eigenen Garten aufstellen.

Der bislang größte Rücktransport deutschen Atommülls aus der 
französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague wird voraussichtlich am 
11. November dort starten. Der Transport besteht aus zwölf 
Atommüllbehältern, so genannten Castoren. Harms kündigte an, sie und 
andere Mitglieder der Grünen-Fraktion würden während der Tage des 
Transports im Landkreis Lüchow-Dannenberg sein, um den gewaltfreien 
Protest zu unterstützen. Auch das Komitee für Grundrechte und Demokratie 
in Köln kritisierte das Demonstrationsverbot.
 
Aktualisiert: 02.11.2002, 06:06 Uhr