RPf: Kommentar: "Alles ist gut"
Die Rheinpfalz, 11.10.02
> Kommentar: "Alles ist gut"
Von Michael Konrad - Nach der neuen Philippsburg-Panne macht die
Stuttgarter Atomaufsicht, was sie immer tut: Sie nickt ab.
Als im Sommer 2001 im Kernkraftwerk Philippsburg eine der schwersten
Sicherheitspannen in der Geschichte der deutschen Atomindustrie
passierte, hat die Atomaufsicht in Stuttgart nicht kritisch nachgefragt,
sondern nach Erklärungen gesucht, die das Ereignis herunterspielten.
Diese vernichtende Kritik aus dem Berliner Umweltministerium an den
Beamten in Stuttgart ist erst zwei Wochen alt und doch schon wieder
bestätigt worden. Als Ende September radioaktives Wasser in den Rhein
floss und die Betreiberin EnBW das Tage später öffentlich machte, bemühte
sich das Stuttgarter Umweltministerium vor allem um eines: die Entlastung
der EnBW. "Keine Gefahr für Mensch und Umwelt", hieß es sofort, "Wenn
überhaupt" sei nur eine geringe Menge Radioaktivität in den Rhein
gelangt. Fazit der vorgeblichen Aufpasser: Alles ist gut! Dabei war
damals schon offenkundig, dass wieder einmal - wie 2001 - Personal einen
Fehler nicht als problematisch erkannt hat. Die EnBW dazu: Weil beim
Reinigen noch nie was passiert ist, war man nicht darauf vorbereitet,
dass etwas passieren kann. Die Atomaufsicht interessiert dieses
kontinuierliche Versagen bestenfalls am Rande. Sie nickt nur brav die
Konsequenzen ab, die die EnBW aus der Panne ziehen will. Genau wie 2001. -
Bis zum nächsten Mal.