StZ: Neue Kraftprobe um Reaktor Obrigheim
Stuttgarter Zeitung, 12.10.02
> Neue Kraftprobe um Reaktor Obrigheim
STUTTGART (mül). Im Streit um das Kernkraftwerk Obrigheim bahnt sich nun
auch eine Kraftprobe zwischen Bund und Land an. Wegen neuer Hinweise auf
Sicherheitsmängel hat Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) die
Landesatomaufsicht für kommenden Montag zu einem Gespräch nach Berlin
bestellt. Der baden-württembergische Umweltminister Ulrich Müller (CDU)
lehnte dies jedoch ab, weil es dafür keinen Anlass gebe.
Nach Darstellung Trittins ist erst jetzt bekannt geworden, dass in
Obrigheim zehn Jahre lang gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen worden
sei. Dadurch sei das Kühlsystem möglicherweise nicht zu jeder Zeit
funktionsfähig gewesen. Dies begründe Zweifel an der Zuverlässigkeit des
Betreibers, der Energie Baden-Württemberg (EnBW). Nach Müllers
Darstellung handelt es sich dagegen um einen Sachverhalt, der in der
Vergangenheit liege und bereits aufgearbeitet sei. Der Minister lehnte es
daher ab, seine Beamten nach Berlin zu schicken. Auch die EnBW sprach von
einem bekannten Sachverhalt, der aus Anlass der Koalitionsverhandlungen
erneut hochgezogen werde. EnBW-Chef Gerhard Goll kritisierte, der
Bundesumweltminister betreibe ein "durchsichtiges Manöver".