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StZ: Zwischenlager rückt noch ein Stück näher



Stuttgarter Zeitung, 17.10.02

> Zwischenlager rückt noch ein Stück näher
> Urteil über Baugenehmigung nächste Woche - Experten erwarten Niederlage 
für Gemmrigheim
 
GEMMRIGHEIM/MANNHEIM. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim entscheidet 
am 22. Oktober, ob sich Gemmrigheim weiter gegen ein Zwischenlager wehren 
darf. Ein langer Streit könnte zu Ende sein, die Chancen der Gemeinde 
scheinen schlecht.

Von Verena Mayer

Die Gemmrigheimer Gemeinderäte scheinen ihren Willen in Sachen 
Zwischenlager zumindest in einer Hinsicht zu bekommen: die Erlaubnis für 
den Bau des Tunnels, der Platz bieten soll für 150 Castorbehälter, werden 
nicht sie erteilen, sondern andere. Seit bald drei Jahren wehren sich die 
Kommunalpolitiker gegen die unerwünschte Atommülldeponie, sie möchten den 
Bau des Zwischenlagers nicht zu verantworten haben, diese Entscheidung 
sollten "die da oben" fällen.

"Die da oben" wäre in diesem Fall das Ludwigsburger Landratsamt als 
kommunale Aufsichtsbehörde. Ob der Landrat Rainer Haas dem 
Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN) an Stelle der Gemeinde die 
Baugenehmigung erteilen muss, geben die Richter des dritten Senats des 
Mannheimer Verwaltungsgerichtshofs (VGH) in der kommenden Woche bekannt.

Die Chancen, dass die Richter die sich sträubende Gemeinde im Recht 
sehen, schätzen Experten als gering ein. Die Argumente, weshalb 
Gemmrigheim auf seine eigene Planungshoheit pochen sollte, fielen bei der 
gestrigen Anhörung in Mannheim noch dünner aus als sonst. Einen 
Bebauungsplan nebst Veränderungssperre, der die GKN-Pläne auf dem zwölf 
Hektar großen Gelände unterlaufen sollte, hatte der VGH bereits vor einem 
Jahr für nichtig erklärt. Für "pauschal, vage, widersprüchlich und 
ungereimt" befanden ihn die Richter seinerzeit.

Ein neuer Plan, der ausgetüftelter war und hieb- und stichfest sein 
sollte, ist vom Tisch, seit die Nachbarkommune Neckarwestheim zu Beginn 
des Jahres ihren Widerstand gegen das Lager aufgegeben hat. Ohne 
Neckarwestheim, auf dessen Gemarkung der Großteil des Kraftwerks liegt, 
mache es keinen Sinn, den anvisierten Technologiepark zu planen und zu 
erschließen. Weshalb Till Bannasch, der Anwalt Gemmrigheims, den 
renitenten Gemeinderäten seit Monaten rät, vom weiteren Widerstand 
abzusehen

Nur ein Argument hat die Gemeinde noch auf ihrer Seite, und dieses ist 
nach Expertenmeinung dürftig. Sollte das GKN tatsächlich das 
Zwischenlager einrichten, widerspräche dies dem Regionalplan, der an 
dieser Stelle ein Kraftwerk und keine Deponie vorsehe, argumentiert 
Bannasch. Diesem Plan könnte aber das neue Atomgesetz entgegenstehen, das 
zentrale Zwischenlager in Kraftwerksnähe vorschreibt. Doch selbst wenn 
der Tunnel schließlich in einem Randbereich des Gemmrigheimer Areals 
gebaut würde, zufriedener wäre die Gemeinde damit nicht, gesteht Till 
Bannasch. "Am liebsten wäre uns natürlich gar kein Lager", sagt er.

Sollte der VGH das Landratsamt tatsächlich verpflichten, die 
Baugenehmigung zu erteilen, kommen auf die Gemeinde Gerichtskosten von 
vermutlich mehreren hunderttausend Euro zu. Aus Sorge um den 
wirtschaftlichen Schaden der Gemeinde, hatte der Landrat Rainer Haas die 
Gemmrigheimer Kommunalpolitiker bereits mehrfach ermahnt, sie sollten den 
Rechtsstreit aufgeben. Andernfalls müsse das Landratsamt "über 
aufsichtsrechtliche Maßnahmen entscheiden". Bei der gestrigen Anhörung 
zeichnete sich ab, dass es im Kreishaus aus baurechtlicher Sicht keine 
Einwände gegen die zwei unterirdischen Röhren geben wird.

Gibt der VGH der Klage des GKN Recht und weist das Landratsamt an, der 
Gemeinde die Entscheidung abzunehmen, könnten die Gemmrigheimer darauf 
hoffen, dass das Bundesamt für Strahlenschutz die Genehmigung zum Betrieb 
der Anlage verweigert. Doch dies halten Experten für "abwegig".
 
Aktualisiert: 17.10.2002, 06:05 Uhr